Leserbrief

Blasphemie

Zum Bericht "Martinskirche ist virtuelle Arena" in der ECHO-Ausgabe vom Sonnabend, 6. August, (http://goo.gl/mh9PGz) erhielt die Redaktion folgenden Leserbrief: "Hurra! Jetzt kennen wir endlich den Geist, der in der Kirche wohnt. Er heißt Pokémon, ist virtuell, muss besiegt und eingefangen werden. Ein heiteres Spiel an würdigem Ort. Solange wir Menschen auf diesem Erdenrund leben, gibt es heilige Orte, seien es Höhlen, Eichenhaine oder überdachte Gebäude, genannt Kirche. Deren Geläut aus der Mitte unserer Lebenswelt tat bisher kund, was die Glocke geschlagen hat, verkündeten Geburt und Tod, Taufe und Bestattung, warnte vor Feuer und eröffnete jedes neue Jahr. In diesem Sakralraum steht ein Altar, ein Grenzstein zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, zwischen Wissen und Gewissheit. Fragen wurden in seine Stille gestellt, Jubel fand Ausdruck, Tränen der Trauer wurden geweint und getrocknet. Und jetzt: Pokémon. Fangt den Geist, der auch durch die im Kirchturm montierten Mobilfunkantennen Einzug gefunden hat. Heiliger Geist? Frage danach, wo das Wesen des Menschen seinen Ort haben kann? Fehlanzeige. Lieber Leser! Googeln Sie doch mal das Wort Blasphemie. Es ist verwandt mit den Pokémon-Geistern, jedenfalls wenn eine Kirche als virtuelle Kampf-Arena freigegeben wird. Heutzutage ist das glücklicherweise alles nur noch eine Frage des Geschmacks."
Dieter Petschow, Godshorn