„Mache dich auf, werde licht!“

Nein, das ist kein Druckfehler. Dieses licht schreibt man wirklich klein. Es meint, werde hell, leuchte. Der Prophet Jesaja (Kap. 60 Vers 1) ruft uns dies zu. Er bringt die Botschaft auf den Punkt. Darum geht es in unserem Glauben an Gott nicht nur an Weihnachten. Wir dürfen hell werden. Wir dürfen leuchten, strahlen.
Mache Dich auf, werde licht. Geht das so einfach? Kann ich einfach so strahlen, auch wenn mir vielleicht gar nicht zum Strahlen zumute ist? Genau darum geht es. Das ist das Besondere.
Ich selbst muss gar nicht wirklich leuchten. Mein Licht kommt von Ferne auf mich zu und will mich mit in seinen Schein nehmen. Der Prophet schreibt deshalb auch: „Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“
Darin liegt der Grund für mein Leuchten, dass ich von der Pracht und Schönheit Gottes bestrahlt werde. Ich muss also nicht eigentlich selber leuchten, sondern nur Reflektor sein. Mein Anteil daran besteht darin, dass ich mich aufmache, mich erhebe und dem Licht aussetze. Dann spüre ich seine wärmenden Strahlen und seine weihnachtliche Kraft.
Ihr Lieben. Das ist die Kurzfassung der Botschaft dieser Festtage. Setz dich dem Licht Gottes, das in die Welt gekommen ist, aus. Lass dich erhellen und biete dich als Reflektor an. Nicht mehr und nicht weniger als dieses grandiose Geschenk Gottes will an Weihnachten gefeiert werden.
Wie begrenzt wirken angesichts dessen unsere Versuche selber Wärme und Licht in die Häusern zu bringen. Unsere gegenseitigen Bestrahlungen sind oft zu flüchtig, haben keine Tiefenwirkung.
Es ist ein Dilemma. Auf Weihnachten richten sich jedes Jahr wieder so viele Hoffnungen. Hinter all dem Trubel erkenne ich so viel tiefe Sehnsucht nach dauerhafter Freude und Erhellung. Nicht selten aber endet das Fest in einer Enttäuschung. Vielleicht liegt es wirklich daran, dass wir zu sehr selber wollen und uns nicht dem Licht von außen aussetzen.
Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!
Das ist die frohe Botschaft, die allein alle Sehnsucht stillt.
Ulrich Krämer, Flughafenseelsorger