„Man stiehlt uns unsere Zeit“
IGS thematisiert das Volksbegehren zum Tag der Zivilcourage
Langenhagen (he). Zahlreiche niedersächsische Schulen haben sich am Montag mit eigenen Aktivitäten am landesweiten Aktionstag für Zivilcourage und gegen Gewalt beteiligt. Ausgerufen hatte diesen Tag Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann: Zivilcourage bedeute einerseits Hilfsbedürftige in schwierigen Situationen zu unterstützen, andererseits aber auch sich gesellschaftlich zu engagieren und eine eigene Meinung zu vertreten – auch wenn diese nicht von allen akzeptiert werde.
Mit phantasievollen Aktionen beteiligten sich auch mehrere Klassen der IGS Langenhagen am Aktionstag: Sie stellten ihr Engagement für das landesweite „Volksbegehren für gute Schulen“ in den Fokus. Gemeinsam zogen zwei achte Klassen unter der Regie von Hendrik Becker vom Theater Löwenherz mit bunt geschminkten Gesichtern und Trommelklang auf den Marktplatz. Mit großen Buchstaben formten sie hier den Satz „Hilfe, man stiehlt uns unsere Zeit“ – ein öffentlichkeitswirksamer Hinweis darauf, dass das per Gesetz auch für die Gesamtschulen eingeführte „Turbo-Abitur“ als Verlust empfunden wird.
„Diese Aktion ist in der Auseinandersetzung mit dem Thema Zivilcourage spontan entstanden“, erklärte Theatermann Hendrik Becker, der regelmäßig mit Schülerinnen und Schülern der IGS Aufführungen erarbeitet. Oliver Wolfskehl, Klassenlehrer einer der beteiligten achten Klassen, ergänzt, dass das Engagement der Schüler, die auch in ihrer Freizeit Unterschriften für das Volksbegehren sammeln, keineswegs eigennützig sei: „Sie haben alle einen Platz an einer IGS bekommen und sie können auch alle noch ihr Abitur in Ruhe nach 13 Jahren machen“, erklärt er. Die Schüler engagierten sich für nachfolgende Schülergenerationen mit dem Ziel, auch ihnen ein langes gemeinsames Lernen und Freiräume für gesellschaftliches Engagement zu erhalten.
Das Volksbegehren als Mittel der Volksgesetzgebung mit Verfassungsrang thematisierte auch Lehrer Wolfgang Meyer in seiner Klasse: Demokratische Rechte in Anspruch zu nehmen, auch wenn das nicht überall gern gesehen sei, bedeute auch ein Form von Zivilcourage. Begleitet von einer kleinen Combo, zogen seine Schülerinnen und Schüler zum Bahnhof Langenhagen-Mitte, gaben hier ein Ständchen zum Besten und sammelten anschließend in der S-Bahn Unterschriften für das Volksbegehren. Eine weitere Gruppe versuchte am Flughafen das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, wieder andere griffen es in Form von Rollenspielen in ihren Klassen auf.
Das „Volksbegehren für gute Schulen“, eine landesweite Initiative von Eltern, Pädagogen und Erziehungswissenschaftlern, sammelt Unterschriften für die Rücknahme des so genannten Turbo-Abiturs, für eine erleichterte Neugründung von Gesamtschulen und für den Erhalt der pädagogisch gut ausgestatteten Vollen Halbtagsschulen. In Langenhagen wurden bislang rund 2.000 gültige Unterschriften gesammelt; damit haben etwas weniger als fünf Prozent aller für den Landtag Wahlberechtigten die Initiative unterstützt. Vorreiter in der Region ist Wunstorf: Hier ist das angestrebte Quorum von zehn Prozent schon fast erreicht. Und das Sammeln geht überall weiter: Noch bis zum 2. Dezember haben die „Volksbegehrer“ Zeit, die erforderlichen 608.731 Unterschriften zusammen zu bekommen. Nähere Informationen sind unter www.volksbegehren-schulen.de zu finden.




