Menschenrechtlich statt medizinisch

Stellten ihre Vorstellungen von Glück vor: die Bewohnerinnen und Bewohner Elisabeth Engelskirchen (von links), Florian Seiboth, Thomas Wunderlich und Hannelore Beige mit GBA-Geschäftsführerin Saskia Adlon (am Mikrofon).Foto: O. Krebs

Inklusion im Mittelpunkt bei Festakt zum 40. GBA-Geburtstag

Langenhagen (ok). „Die Leute um mich herum machen mich glücklich.“ Florian Seiboth, Bewohner des Lindenhofs in Kaltenweide, machte beim Festakt zum 40. Geburtstag der Gesellschaft für Behindertenarbeit (GBA) deutlich, dass Glück nicht unbedingt Reichtum und Wohlstand bedeuten, sondern von jedem ganz individuell wahrgenommen werden. Und jeder Mensch mit seinen Stärken und Schwächen hat natürlich ein Anrecht auf sein ganz persönliches Glück. Für die GBA steht jede Frau und jeder Mann im Mittelpunkt und mitten im Leben, gestaltet und bestimmt mit. Ein wichtiger Begriff, der sich wie ein roter Faden durch den Vormittag zog, war die Inklusion. Caren Marks aus der Wedemark, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, hob hervor, dass jedem Menschen eine Teilhabe an der Gesellschaft bestmöglich angeboten werden muss. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung habe sich seit einer UN-Konvention vor fünf Jahren grundsätzlich geändert, der Ansatz sei jetzt nicht mehr medizinisch, sondern menschenrechtlich. Die gesamte Gesellschaft sei gefordert, Menschen mit Behinderungen seien nicht „Objekte staatlicher Fürsorge.“ Nicht über uns ohne uns müsse das Motto für diese Gruppe sein. Die Gesellschaft müsse Platz für jeden mit gleichen Chancen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt haben; jeder werde gebraucht und müsse wertgeschätzt werden. Auch ihr Kollege Jörg Röhmann aus dem Niedersächsischen Sozialministerium ist der Auffassung: „Zeige dem Menschen, welche Fähigkeiten er besitzt. Er habe gerade aus den Kommunen erfahren, dass sich anfängliche Angst oft in Begeisterung und Motivation umwandeln lässt. „Wir müssen nur unsere Verkrampfung ablegen“, so Röhmann. Bürgermeister Friedhelm Fischer sieht die größten Barrieren „oft in den Köpfen“, die Stadt Langenhagen habe der GBA auch zu verdanken, dass Langenhagen eine so lebenswerte Stadt sei. Gerade die Wiesenauer Mitte sei ein gutes Beispiel für das ideale Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderungen mit einem barrierefreien Kinderspielplatz gleich nebenan. Ziel sei letztendlich ein Inklusionsplan für die ganze Stadt. Birgit Eckhardt, stellvertretende Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Niedersachsen, zeigte allerdings auf, dass es noch ein weiter Weg sei, bis ein flächendeckendes sozialräumliches Wohnangebot stehe, das natürlich auch nicht zum Nulltarif zu haben sei. Ein Fachvortrag von Professor Timm Albers mit dem Titel „Inklusion – im Spannungsfeld zwischen Vision, Illusion und Realität“ rundete das komplexe Thema ab.