Migration neu beleuchtet

Sprach über ein hochaktuelles Thema: Sabine Dreßler. (Foto: D. Lange)

Sabine Dreßler zeigt Wege zu einer künftigen Flüchtlingspolitik auf

Langenhagen (dl). Seit Abschaffung des Buß- und Bettages als gesetzlicher Feiertag lädt der Kirchenvorstand der Emmauskirche, teils in Kooperation mit der Stadt, jedes Jahr im November namhafte Gastreferenten zum Buß- und Bettags-Gottesdienst ein. Darunter Banker, Sozialwissenschaftler oder Musiker, aber auch prominente Persönlichkeiten wie Margot Käßmann, Sigmar Gabriel oder Martin Kind. Sie alle nahmen in ihren Vorträgen kompetent und engagiert Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen und eröffneten damit oftmals neue und interessante Perspektiven. Zudem haben die Zuhörer in der Regel die Gelegenheit, im Anschluss daran mit den Referenten über das Gehörte zu diskutieren. Anlässlich des Gottesdienstes zum Buß-und Bettag sagte die Pastorin der Emmauskirche, Sabine Behrens: „Um die Gräben in unserer Gesellschaft nicht noch tiefer werden zu lassen, müsse sich die Kirche verstärkt in die gesellschaftspolitischen Diskussionen einbringen und eine unbequeme Stimme sein, die Ungerechtigkeiten anprangert und Partei ergreift für die Schutzbedürftigen“. Die Vortragsreihe wurde in diesem Jahr von Sabine Dreßler fortgesetzt, theologische Referentin für Menschenrechte, Migration und Flüchtlingspolitik in der EKD. Sie setzte sich in ihrem Referat mit einem nach wie vor hochaktuellen Thema auseinander, das spätestens seit 2015 die politische und gesellschaftliche Landschaft von Grund auf verändert hat. Und das nicht unbedingt nur zum Guten. Auch wenn die Flüchtlingszahlen in den letzten zwei Jahren aus den bekannten Gründen stark zurückgegangen sind und sich nach wie vor sehr viele Menschen ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Für beide Seiten, für die Flüchtlinge als auch für die Ehrenamtlichen führt nicht nur deren vielfach mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz wie auch die Dauer der Asylverfahren und die damit verbundenen bürokratischen Hürden immer wieder zu Unsicherheiten und Frustrationen. Auch jetzt also, in diesen Zeiten, sei der Einsatz der Kirche mehr denn je gefragt. Ein weiteres wichtiges Thema sei, was in der großen Politik gerne etwas vollmundig als die „Bekämpfung der Fluchtursachen“ genannt wird. Viele reden davon, aber nicht alle meinten dasselbe. Für Sabine Dreßler geht es dabei nicht nur um die katastrophale humanitäre Lage in den großen Flüchtlingslagern im Libanon oder Jordanien, wo es an allem fehlt: an der Grundversorgung mit Lebensmitteln, an der medizinische Versorgung und nicht zuletzt an menschenwürdigen Hygieneverhältnissen. Eine Besserung der Lage isei mangels finanzieller Unterstützung aber nicht in Sicht. Zudem gab es 2016 der EKD zufolge weltweit 38 bewaffnete Konflikte. Was bedeute, dass die Konflikte nicht beendet werden, solange die Waffenexporte nicht gestoppt werden. Weitere Gründe dafür, dass die Menschen, vornehmlich aus den afrikanischen Ländern, ihre Heimat verlassen, sei eine verfehlte Klima-, Wirtschafts- und Agrarpolitik der reichen Industrieländer, die den Menschen ihre Lebensgrundlagen entziehe. Dazu kämen der Klimawandel und seine Folgen, börsenorientierte Spekulationen mit Ackerflächen und rein profitorientiertes Vorgehen multinationaler Konzerne in den Ländern Afrikas. Nicht zu vergessen die zahlreichen religiös und machtpolitisch motivierten Bürgerkriege auf dem schwarzen Kontinent. Dass die Menschen also ihr Land verlassen und nach Europa drängen, ist nicht erst seit 2015 bekannt, sondern diese Art der Völkerwanderung begann schon Jahre zuvor.