Mit Blindschleichen und Ringelnattern

Spannende Naturbeobachtungen konnten die Nabu-Kinder auf dem Gut Sunder machen. (Foto: R. Stankewitz)
 
Das Lagerfeuer war am Abend auch eine Attraktion. (Foto: R. Stankewitz)

Naturerlebnisfahrt mit dem NABU bot viel Programm

Langenhagen. Auf bewährte Weise gab es beim NABU-Ortsverein für Kinder und Jugendliche wieder die Naturerlebnisfahrt zum Gut Sunder in Winsen an der Aller. Während sich die Jüngeren schon in der Strohscheune gemütlich einrichteten, haderte die Jugend noch mit dem Wetter. Im Dauerregen hatte keiner so wirklich Lust, sein Zelt aufzubauen. Da es am Nachmittag auch noch regnete, wurde etwas improvisiert. Im Klassenraum konnten die Kinder gesammelte Objekte durch sogenannte Binokulare in Großformat betrachten. Da wirkte selbst ein altes Schneckenhaus faszinierend.
Mit vorbereiteten Spielen der fünf Betreuer wurden die bunt gemischten Gruppen zu Teamwork animiert. Besonders beim „Tiere sortieren“ mussten sich alle gut abstimmen, denn die Jungtiere den ausgewachsenen Tieren zuzuordnen war nicht einfach. „Ich habe hier einen Hasen“, „oh da sind ja noch mehr“, „nee da sind auch noch Kaninchen dabei“, wusste dann Arne. Eine weitere Aufgabe war die Erstellung einer Galerie aus angefertigten Kunstwerken, die bis zum Sonntag Mittag fertig sein sollten. Die einen malten Bilder von Vögeln, Fröschen und Schlangen, die anderen modellierten aus selbst trocknendem Ton Figuren wie Pinguin, Hund, Igel oder Eidechse.
Spannend war auch der Besuch in der „Wildtiernis“, einer angegliederten kleinen Naturausstellung, worin die Kinder viel ausprobieren konnten. Kurze Filme zeigten Ausschnitte des Lebens der Tiere, die in der näheren Umgebung des Heuhotels vorkommen wie Füchsen und Dachse oder eine brütende Kohlmeise. Die Orientierung einer Fledermaus bei Nacht konnte prima nachvollzogen werden mit dem extra präparierten Helm, der selbst im dunklen Raum den Abstand von Gegenständen durch ein Piepen anzeigte. Bastian konnte gar nicht genug davon bekommen und flog gleich mehrmals durch das Labyrinth. Ein Teil der Sonderausstellung über Bäume ließ die Kinder spielerisch entdecken, in welchem Stockwerk des Waldes welche Tiere wohnen.
Als der Regen endlich nachließ, waren die Jüngeren nicht mehr zu halten. Die Wasserkescher mussten her und so wurde bald zwischen den Wasserlinsen des großen Teiches der ein oder andere Teichfrosch herausgezogen und begutachtet. Auch ein paar junge Erdkröten konnten auf den Wiesen entdeckt werden.
Für den gemütlichen Teil des Abends bereiteten Dominik Meyer und Felix Hartmann, die zum ersten Mal als Beteuer dabei waren, gekonnt den Grill vor. Im Anschluss sorgten sie noch für ein ordentliches Lagerfeuer, wo die Kinder zum Nachtisch noch ein paar Marshmellows grillten, bevor es zur Nachtwanderung ging. Auch die Kleinsten waren so mutig, sich in der Gruppe der Dunkelheit zu stellen und so konnten alle noch die jagenden Wasserfledermäuse im Strahl von Felix Kolbs toller Taschenlampe beobachten.
Der nächste Morgen begann vielversprechend mit Sonnenschein. Nachdem die Pflanzen etwas abgetrocknet waren, kamen auch die Insekten wieder heraus, die die Kinder und Jugendlichen im Rahmen ihres neuen von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung unterstützten Projektes "Heuschrecken als Bioindikatoren" gleich näher betrachteten. Im Kräutergarten, wo Amelie und Betreuerin Silke Brodersen sich bis zur Süßdolde durchprobierten, summten Bienen und Hummeln und auf der Naturwiese tummelten sich Heuschrecken, Käfer, Schmetterlinge, Wanzen und Spinnen. So konnten Iris und Lea das Grüne Heupferd beobachten, das gerade dem Netz der Wespenspinne entkommen konnte. Auch die Heidelibellen und die Beiß- und Goldschrecken waren Insekten, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt. Dass die Goldschrecke zu den Kurzfühlerschrecken gehörte, konnte Kirsa prima erklären: “Die hat ihre Ohren am Brustkörper und nicht an den Beinen wie die Langfühlerschrecken.“
Auch eine Blindschleiche und zwei Ringelnattern wurden begutachtet. Aber während die Blindschleiche gefahrlos von Betreuerin Christine Pracht gehalten werden konnte, warnte Ricky Stankewitz vor den Ausscheidungen der Ringelnatter bei Gefahr: „ Die stinken wie Aas, damit sie nicht von Feinden gefressen werden.“ Und so war es dann auch.
Jeder einzelne hatte noch viel zu entdecken: Hier waren es die Bachflohkrebse und Köcherfliegenlarven aus dem kleinen Bach, dort eine Hornisse, etwas weiter eine gut getarnte Krabbenspinne, am Himmel ein Falke oder die in der Ferne rufenden Kraniche.
Am Mittag wurden die Kinder dann wieder von ihren Eltern abgeholt und wieder einmal ging ein erlebnisreiches Wochenende zu Ende.