Mitarbeiter täglich zu Unrecht gescholten

Mit der modernen Optik ist der M-Trakt im Schulzentrum das markanteste Gebäude. (Foto: G. Gosewisch)
 
Stark beansprucht ist die Tür zur Mensa-Warenanlieferung. Die Anweisung "geschlossen halten" kann nicht immer eingehalten werden. (Foto: G. Gosewisch)

Experten analysierten Steuerung im IGS-M-Trakt

Langenhagen (gg). Sind die Grenzen des Erträglichen im M-Trakt der IGS an der Konrad-Adenauer-Straße erreicht? Die Erfahrungen beim Betrieb des M-Traktes im Schulzentrum samt Mensa, gebaut im Passivhaus-Standard, sind vielfältig. Zwar wirbt die IGS für sich nach wie vor mit dem Prestigegebäude, das die Stadtverwaltung auf politischen Beschluss von Rot/Grün im Jahr 2013 für sieben Millionen hat errichten lassen. Auf der IGS-Internetseite ist die Beschreibung „effektiv und bestens für den Schulbetrieb geeignet“ zu finden, doch täglich gibt es Klagen zur Raumluft. Im Winter zu kalt, im Sommer viel zu warm und permanent unerträglich stickig sei es in den drei Etagen mit insgesamt 2.500 Quadratmetern. Unerträglich nicht nur in den acht Unterrichtsräumen (genutzt auch vom Gymnasium), sondern auch in der dort untergebrachten Mensa, die Mittagessen für rund eintausend Schüler liefern soll. „Es kann nicht sein, dass Mitarbeiter der Verwaltung täglich dafür gescholten werden. Der Vorwurf, wir würden davon nichts verstehen, ist haltlos“, sagte Stadtbaurat Carsten Hettwer nun in seiner Vorrede zur Passivhaus-Analyse, die die Energieberater Uwe ter Vehn und Achim Achteresch im Auftrag der Stadtverwaltung (voll gefördert vom Bundesumweltministerium) in 700-stündiger Arbeit erstellt haben. Mit ihrer Botschaft „In die Technik muss man sich reinfinden“ bestätigten sie den Stadtbaurat. Komplex sei die Steuerung, keinesfalls simpel in der Bedienung, und zudem seien Fehlfunktionen bei der Installation vor drei Jahren erst jetzt aufgefunden worden. „Die konnte ein normaler Techniker überhaupt nicht finden. Die haben wir jetzt behoben“, sagte Uwe ter Fehn und verwies auf die Erfahrung als Energieberater. Ein Beispiel sei die Steuerung für die Außenjalousien, die neben Strahlungsintensität und Tag-Nacht-Parameter auch auf Windmenge reagieren soll. Vorgefunden haben die Experten eine Einstellung auf ein laues Lüftchen mit sechs Stundenkilometern, korrigiert wurde diese Einstellung auf Wind mit 35 Stundenkilometer.
Derzeit kümmert sich Uwe ter Vehn zusammen mit seinem Kollegen um 20 Passivhaus-Schulen in drei Bundesländern. Alle haben Probleme, aber alle Probleme seien mit der Zeit zu beheben – ein normaler Prozess bei neuer Technik, wenn noch keine Erfahrungswerte vorliegen. Klar sei, dass ein Passivhaus ganz andere Eigenschaften als ein Haus mit alter konventioneller Technik habe. Erstellt werde daher im Auftrag des Ministeriums ein sogenanntes Richtig-Buch mit Anweisungen für Hausmeister. Schulungen sollen folgen. Bauliche Optionen gibt es auch, da muss der Rat politisch entscheiden, was noch investiert werden soll. Empfohlen wurde von den Experten ein Sonnenschutz für die Lichtkuppeln und eine Klimatisierung. Uwe ter Fehn erklärte: „Beim Einsatz einer Klimaanlage muss klar sein, dass mehr Energie verbraucht wird, was dem Passivhaus-Ideal eigentlich entgegen steht.“ Auf Nachfrage von Ratsfrau Elvira Drescher (unabhängig) zu möglichen Fehlern bei der Bauabnahme sagte Stadtbaurat Carsten Hettwer: „Die Überwachung der Bauleistung (bei Erstellung) geht nicht so in das Detail der technischen Ausstattung, wie die Experten hier gearbeitet haben.“