Monopol bietet auch politischen Raum

Zeit für eine Gratulation zum 30-jährigen Bestehen des Café Monopols nahmen sich im Haus der Jugend (von links): Thomas Seidel und Marcel Gust (Vereinsvorstand), Willi Minne, Sven Seidel und Marco Brunotte. (Foto: G. Gosewisch)
 
Beste Grüße und Durchhaltevermögen im Baulärm wünschte Martin Bigalke (rechts) vom städtischen Jugendschutz und überreichte Sven Seidel ein Plakat mit Beruhigungsdrops. (Foto: G. Gosewisch)

Autonome Akzente sind Vergangenheit, Jugend soll gefördert werden

Langenhagen (gg). Im Rahmen eines kleinen Empfangs wurde nun der Fortbestand des Cafés Monopol im Haus der Jugend gefeiert - ein Relikt aus den 80er Jahren mit einem Namen, der inzwischen anachronistisch wirkt, denn ein alleiniges Angebot für die Jugend bietet das Café Monopol schon lange nicht mehr. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die Jugend einen autonomen Raum für sich okkupieren wollte. Eine Umfrage unter Schülern, initiiert von wenigen restlichen Café-Organisatoren, ergab im Jahr 2014, dass ausgeprägte Protesthaltungen fehlen, fast keiner das Monopol kennt und dass Live-Musik-Angebote in Zukunft vielfältig sein sollen. „Das liegt mir eigentlich nicht, aber dem werden wir uns öffnen“, sagt Sven Seidel, seit fünf Jahren Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Jugend und Kultur, Träger des Cafés. Mit Mitte dreißig zählt er sich ohnehin nicht unbedingt zur Jugend, hatte übernommen, „weil es sonst keinen mehr gibt“, so seine Auskunft derzeit. Mit der Umfrage wollte er eigentlich die Zukunft des Cafés neu ausrichten, doch die Sanierung im Haus der Jugend legte den Raum still, in dem die Café-Bar betrieben wurde. Das Projekt Bärenhunger (Mittagessen für Schulkinder) wurde in kleinem Rahmen weitergeführt, und eine Spendenhöhe im mittleren fünfstelligen Bereich wurde verzeichnet; leider aus einem traurigen Anlass, denn nach dem Tod des früheren Stadtdirektors Klaus Rosenzweig im August 2014 spendete die Trauergemeinde für Bärenhunger.
Es blieben die Musik-Veranstaltungen: „Tanz aus dem April“ und „Festivälchen“, für die Sven Seidel auf die Kooperation mit der Agentur Spider-Promotion setzt. Die funktioniere sehr gut, so sein Hinweis. Alles, was zur Organisation gehöre, werde so professionell geleistet. Lob gab es vom SPD-Landtagsabgeordneten Marco Brunotte: „Das Café Monopol bildet das ab, was wir in Sonntagsreden fordern. Hier engagieren sich Jugendliche ehrenamtlich, ein Ort der Soziokultur, darauf kann Langenhagen stolz sein.“ Er selbst sei als Schüler im Café gewesen, gegründet habe sich dort das „Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt“. Sven Seidel hat vor einiger Zeit in Brunottes Landtagsbüro als Aushilfe gearbeitet. Beide kennen sich gut aus dem hiesigen SPD-Ortsverein, Sven Seidel hat bei der Kommunalwahl für die SPD kandidiert. Begegnungen gibt es auch bei der AWO, wo sich beide engagieren. Sven Seidel ist Vorsitzender des AWO-Ortsvereins, was eine Spendenübergabe merkwürdig erscheinen ließ. Sven Seidel sagte: „Ja, ich kann mir ja nicht selber in Doppelfunktion die Spende überreichen.“ Gelöst wurde das mit der Einbeziehung der jeweiligen Vereinsvorstände. Gegenseitig geholfen haben sich die Vereine in den vergangenen Monaten, so sei ein Zeichen dieser Art an der Zeit: der AWO-Ortsverein bekam 700 Euro vom Verein zur Förderung der Jugend und Kultur, davon 350 Euro vom Café Monopol, 150 Euro vom Tontechniker Timo Sauer und 200 Euro von Spider Promotion..
Erklärter Wunsch von Sven Seidel ist, dass das Café Monopol ein politischer Raum bleibt. Dem schloss sich Marco Brunotte an. „Wir bieten hier das gesamte Spektrum, eingeladen waren Vertreter aller Ratsfraktionen, außer den populistisch aufgestellten AfD, AfL und BBL; eine Teamentscheidung“, sagte Sven Seidel.
Willi Minne, stellvertretender Bürgermeister, gratulierte zum 30-jährigen Bestehen des Café Monopols. Er zeigte sich vor allem beeindruckt von dem Baufortschritt im Haus der Jugend.

Kommentar von Gabriele Gosewisch: Freiheit statt Soziokultur formen!
Sven Seidel hat sich viel bewahrt: die Jugend – unaufgeregt, pragmatisch, neugierig. Typ bedingt eher wortkarg lässt er sein Tun in keinem besonderen Licht erscheinen. Was bisher gelungen ist, warum ihm am Café-Fortbestand gelegen ist, erklärt er auf Nachfrage ebenso knapp wie die Pläne für die Zukunft. Reicht es, wenn sein Team und er wissen, was sie tun? Funktioniert reines jugendliches Vertrauen, das von Transparenz genährt wird? Hoffentlich. Erste Anzeichen sprechen dagegen. Marco Brunottes große Beschreibung der Soziokultur im Café formt eine völlig verfehlte Erwartungshaltung. Das einzige Monopol, das Sven Seidel im Monopol kultivieren will, ist das Angebot an die Jugend, sich beim Café-Besuch einfach mal gehen zu lassen, frei von Erwartungen und damit ganz anders als in der Schule, im Elternhaus, im Arbeitsmarkt und in der Leistungsgesellschaft.