"Müssen mit weiteren Bomben rechnen"

Auswertung von Luftbildern geht weiter

Langenhagen (ne). Er rechne auch künftig mit Bombenfunden und notwendigen Evakuierungen von Wohngebieten in Langenhagen, teilte Bürgermeister Friedhelm Fischer in dieser Woche aus gegebenem Anlass mit. Vor allem während der Bauarbeiten auf dem Gelände der Kaserne in Wiesenau sei damit zu rechnen – er bitte die Bevölkerung schon jetzt um Verständnis.
Es gebe aufgrund der Auswertung alliierter Luftaufnahmen – sie wurden einst zur Erfolgskontrolle von britischen und amerikanischen Piloten nach den Bombardierungen angefertigt – noch Verdachtspunkte, stellte der Bürgermeister klar; Anlass war eine kurzfristige Evakuierungsmaßnahme am vergangenen Montag. Sie erfolgte aufgrund eines Bombenfundes in der Emmich-Cambrai-Kaserne. 2.800 Menschen im Hindenburgviertel, die im 1.000-Meter-Sicherheitsbereich wohnen, mussten kurzfristig ihre Wohnungen verlassen. Alles habe reibungslos funktioniert, und er danke den Betroffenen für ihr Verständnis, sagte der Bürgermeister.
Um 22.35 war die Gefahr vorüber, die Bombe mit einem Aufschlagzünder konnte an Ort und Stelle entschärft worden. Bombenfunde auf dem Gelände der Emmich-Cambrai-Kaserne in Wiesenau, die seit der Gebietsreform 1974 im Gebiet der Stadt Hannover liegt, bringen Probleme mit sich, denn per Gesetz ist nicht die Stadt Langenhagen für die kostenträchtigen Evakuierungen zuständig, sondern Hannover. Deshalb war wiederum eine Sammelstelle in der Hannoverschen Herschelschule eingerichtet worden. Langenhagen habe aber mit Feuerwehrleuten die Maßnahme unterstützt, teilte der Bürgermeister weiter mit.
Dass seine Befürchtungen, es könne weitere Bombenfunde geben, sehr ernst zu nehmen sind, belegt Langenhagens Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg fielen bei mehr als 120 Luftangriffen tausende Brand- und Fliegerbomben sowie Luftminen auf den Ort. Hinzu kommen Bombennotabwürfe durch alliierte Flugzeugbesatzungen, deren fliegende Festungen von der deutschen Flugabwehr bekämpft wurden. Fast alle Abwürfe richteten große Schäden an – Alt-Langenhagen war bei Kriegsende zu 65 Prozent zerstört. Etliche der abgeworfenen Bomben detonierten nicht; sie stecken als Blindgänger tief in der Erde. Bei einer Entschärfungsaktion während des Krieges an der Martin-Luther-Straße detonierte eine Bombe, vier Männer wurden dabei getötet. Etliche Blindgänger blieben bis heute unentdeckt; ahand von alliierten Luftaufnahmen werden sie nach und nach vom Kampfmittel-Beseitigungsdienst Niedersachsen aufgespürt und unschädlich gemacht.
Bleiben noch die Kosten für Bombenräumungen zu erwähnen; auf diesen bleibt die Stadt aufgrund von Verwaltungsvorschriften auf Bundes- und Landesebene sitzen. Allein 2009 haben diese rund 750.000 Euro betragen.
"Bombenräumungen dienen dem Schutz der Bevölkerung", sagte im vergangenen Jahr Sprengmeister Thomas Gesk, als er an der Angerstraße "seine" 612. Bombe unschädlich machte. Wie gefährlich die Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges wirklich sind, wurde in diesem Jahr deutlich, als der Sprengmeister in Göttingen bei der Ausübung seines Berufes ums Leben kam, als eine Bombe mit Säurezünder unvermutet detonierte.