Musik mit Gänsehautgarantie

Das Gesamtorchester verlieh dem Werk ein großartiges Gesamtvolumen.

80 Jahre Zupfmusik – Geburtstag beim Langenhagener Zupforchester

Langenhagener Zupforchester. Im Jahre 1930 trafen sich Mandolinen- und Gitarrenspieler aus Krähenwinkel und Langenhagen zu einem lockeren, zwanglosen Kreis; Jeder von ihnen mit derselben Begeisterung zu seinem Instrument, von keinen größeren Ambitionen getrieben, einfach nur mit dem Ziel, miteinander zu musizieren. Dass daraus rund 40 Jahre später unter der Führung des Vorsitzenden Kurt Bergmann und des musikalischen Leiters Rolf Quedenbaum eines der größten und spielstärksten Zupforchester Niedersachsen werden würde, daran hatten die Gründungsmitglieder sicherlich nicht gedacht. Statt der anfänglichen Volks- und Wanderlieder wurde nun „echte“ Zupfmusik gespielt.
Inzwischen sind die nächsten 40 Jahre rum. Unter dem Dach des Langenhagener Zupforchesters wird wieder ein Schülerorchester gegründet, die L-KiZ. Geburtstagsstimmung kommt auf. Es gilt nicht nur die L-KiZ zu feiern, man ist auch 80 Jahre alt geworden. Am 6. November soll die Party steigen, etwas Besonderes soll es sein, das haben sich die beiden Dirigenten Rolf Quedenbaum und Michael Körbis schon vor zwei Jahren gedacht.
Zu einem Geburtstag werden Gäste eingeladen, in diesem Fall das Gemeinschaftszupforchester Egestorf/Bad Münder und das Mandolinen- und Gitarrenorchester Empelde. Schon zur Eröffnung des Jubiläumskonzerts zeigt der Jubilar, dass er trotz des hohen Alters sehr viel Elan hat. Schwungvolle „Slawische Tänze“ (Solomandoline Axel Gobrecht) und der eher ungewöhnliche Klangmix von Zupfinstrumenten und E-Gitarre (Solistin Ingeborg Körbis) bei der „Raika“ zeigen auf, dass der Pepp nach wie vor vorhanden ist. Das Gemeinschaftsorchester Egestorf/Bad Münder bewies anschließend, dass sie dank der Solistin Susanne Schwabe für jede der „Cinco Florinhas“ (Fünf Blumen) den richtigen „Flötendünger“ vorrätig haben. Mit dem lockeren „Just four Fun“ beendete das MGO Empelde den musikalischen Einzelreigen vor der Pause.
Das besondere Ereignis kam jedoch nach dem Umbau in der Pause. 54 Instrumentalistinnen und Instrumentalisten hatten Platz auf der Bühne, die restlichen 29 saßen seitlich Auge in Auge mit dem Publikum. Was für eine sagenhafte Besetzung: 16 erste Mandolinen, 23 zweite, zwölf Mandolen, 30 Gitarren und zwei Bässe. Welcher Dirigent möchte hier nicht zum Taktstock greifen? So wechselten sich die vier Dirigenten Rolf Quedenbaum, Susanne Grigo-Prasse, Fritz Engelmann und Michael Körbis mit Freude ab.
Eröffnet wurde der zweite Teil mit der dem LZO gewidmeten „Scandia-Suite“. Der hierfür extra angereiste Komponist Ralph Paulsen-Bahnsen lauschte mit geschlossenen Augen. Danach stand europäische Folklore auf dem Programm: „Katalanische Impressionen“, „Shannon Dew 2“ und „Myrtenbaum“. Der Komponist Konrad Wölki muss beim Niederschreiben seines „Wiener Konzerts“ genau an ein solch riesiges Instrumentarium gedacht haben, das Gesamtorchester verlieh dem Werk ein geradezu gewaltiges Klangvolumen. Zum Abschluss hieß es beim eigens für diese Veranstaltung komponierten Piratenmedley „Jacks Hitpiraten“: Trinkt aus, Piraten, hei-ho! Als Dankeschön für den lang anhaltenden Beifall sorgte John Miles „Music“ für den gewünschten Nachschlag mit Gänsehautgarantie.
bdz-Ehrungen gab es auch: 50 Jahre musikalisches Wirken für die Zupfmusik für Heidrun Bergmann, Kurt Bergmann und Rolf Quedenbaum. Joachim Wielert, der Landesverbandspräsident, fand für diesen Anlass wie gewohnt schöne, treffende Worte. Unter den Gratulanten befand sich auch der gute Freund Harald Hense vom Haus der Musik Trekel aus Hamburg. Anschließend wurde zu Speis' und Trank geladen und zu der Musik der Gruppe „Almanach“ durfte auch das Tanzbein geschwungen werden. Und bei dieser Feier zeigten dann auch die L-KiZ, was sie können. Insgesamt war es ein tolles Spektakel, was sicherlich keiner der Beteiligten so schnell vergessen wird.