Mut, Elend und Risiken vor 300 Jahren

Stadtheimatpfleger Hans-Jürgen Jagau zeigt historische Zusammenhänge auf. (Foto: G. Gosewisch)

Heimatpfleger berichtet von Dragonern ohne Pferde

(gg). Völlig unbedeutend war Langenhagen im Jahr 1807, bestand aus den drei Bauernschaften Krähenwinkel, Kircher Bauernschaft und Langenforth mit insgesamt nur 136 Höfen. Der Boden brachte nur schwachen Ertrag. Wie kam es, dass das Dorf für den Pferdehandel weit und breit bekannt wurde? Warum nahmen die Ansässigen enorme Risiken beim kostspieligen Pferdehandel auf sich? Hinweise auf diese Fragen gibt Stadtheimatpfleger Hans-Jürgen Jagau in seinem Buch „Etwas vom Pferd“, in dem Quellen-Texte aus dem Landesarchiv zu finden sind und die Rückschlüsse auf die damaligen Lebensumstände zulassen. Wie hängt was zusammen? Hans-Jürgen Jagau fügt logisch zusammen und analysiert. So gibt es beispielsweise einen Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm aus dem Jahr 1725, der vorgab, dringend benötigte Pferde in Langenhagen, Celle oder Hamburg zu beschaffen. Das Dragoner-Regiment des Obersten Achaz von der Schulenburg hatte seinerzeit 450 Dragoner, aber nur 70 Pferde. Wie wurden Probleme bei knappen Kassen gelöst? Der Stadtheimatpfleger zeigt die Lokalgeschichte auf. Langenhagener können an Ort und Stelle nachempfinden, wie es in früheren Jahren zuging. Parallelen mit der Gegenwart drängen sich dem Leser auf, denn Bürokratie und Ungerechtigkkeit setzten den Menschen schon vor 300 Jahren kräftig zu. Besonders schlimm, wie heutzutage, schlugen kriminelle Machenschaften in die Geschicke der Rechtschaffenden. Pferdediebstahl gehörte dazu, wurde juristisch mit großer Härte verfolgt. Monatelange Gerichtsprozesse, ausführliche Vernehmungen, Androhung von Folter per Beinschrauben, aber eine große Bedeutung von Geständnissen als Voraussetzung für Verurteilungen lassen sich in Jagaus Buch nachlesen – ein wertvoller Beitrag zur Heimatgeschichte.
Weitere Informationen zum Bezug gibt es im Internet auf der Seite www.heimatpflege-langenhagen.de.