Mut zur Bewegung

Koordination in der Grundschule: Karsten Heilmann erklärt der Elternschaft den Sinn von Bewegungsspielen.Foto: G. Gosewisch

Projekt für kindgerechte Aktivität überzeugt

Engelbostel (gg). Klettern und Balancieren gehört zum Rechnen Lernen genau so dazu wie Üben und Knobeln. Karsten Heilmann hat mit der Organisation des Aktionstages "Bewegte Kinder-Schlaue Köpfe" an der Grundschule Engelbostel Mut zum Hinterfragen des Schulalltags gemacht. Der Grundschullehrer aus Hannover sieht das Teilprojekt einer Initiative des Niedersächsischen Kultusministeriums mit ganzheitlichem Ansatz zur Bestärkung der kindgerechten Aktivität. Zusätzlich zu dem Programm in den Klassen mit den Grundschülern gründet sich der Erfolg auf einer Sensibilisierung der Lehrkräfte und der Elternschaft. „Ich möchte Explosionen im Gehirn freisetzen“, so seine einleitenden Worte, die er bewusst provokativ vor den Müttern und Vätern wählte. Sein Ziel, Aufmerksamkeit in mehreren Ebenen zu erzeugen, gelang ihm damit, einerseits in Bezug auf die Konzentration der Zuhörer für seinen Vortrag und andererseits als Anstoß für Veränderungen im häuslichen Alltag. Das Verständnis für die Entwicklung von Gehirnstrukturen, deren Reife durch Bewegung nicht nur gefördert wird, sondern von ihr abhängt, stellte er mit Fakten verdeutlicht an den Anfang seines Appells. Lernen mit Kopf, Herz, Hand und Fuß bedeutet, dass es notwendig ist, mit Bewegungsspielen und Koordinationsübungen Unterrichtseinheiten zu unterbrechen. Ziel ist dabei immer, die Aufmerksamkeit und Motivation der Schüler zu erhalten und zu verbessern. „Kinder sollen selber erforschen, möglichst über Bewegung“, so die Forderung von Karsten Heilmann. Im Selbstversuch konnte die Elternschaft unter seiner Anleitung erfahren, dass Lernen in Kombination mit Bewegungsspielen nicht nur erheiternd sein kann, sondern soziale Erfahrung bereichert und Unaufmerksamkeit unmöglich macht. Alarmierend sei das Niveau der Fitness im Durchschnitt der Erstklässler, die sich für die Lehrkräfte von Jahr zu Jahr niedriger darstelle. Untermauert werde dieser Eindruck durch die Statistik der Versicherungsanstalten. „90 Prozent aller Unfälle in den Schulen geschehen aufgrund von Fehlverhalten der Schüler, nur zehn Prozent sind durch die bauliche Situation bedingt“, führt Karsten Heilmann aus und weiter „Motorische Fähigkeiten sind wichtig. Wenn ein Kind mit dem Stuhl kippelt und gleichzeitig in der Lage ist, Matheaufgaben richtig und konzentriert zu lösen, ist das zu begrüßen.“ Bewegungsmangel als gesellschaftliches Problem betreffe nicht nur die berufstätigen Erwachsenen, sondern in besonders schädlichem Maß die Schüler. Übermäßiger Medienkonsum sei ein gesellschaftliches Problem. Die Verantwortung für den Umgang damit sei eine Herausforderung.