Nach 12 Jahren endlich Abriss

Der Abriss des alten Betriebsgebäudes des ehemaligen Bahnhofs Kaltenweide hat begonnen. (Foto: K. Raap)
 
Diese erst vor wenigen Tagen entstandene durchaus dekorative Graffiti an der Südseite des Gebäudes hat nun nur eine äußerst kurze Lebensdauer. (Foto: K. Raap)

Historischer Kaltenweider Bahnhof ist bald Geschichte

Kaltenweide (kr). Kaum zu glauben aber wahr: Zwölf Jahre nach der Einweihung des neuen Kaltenweider Bahnhofs anlässlich der Expo 2000 in Hannover, verbunden mit der gleichzeitigen Stilllegung des alten Betriebsgebäudes 200 Meter nördlich des Hainhäuser Wegs, hat die Deutsche Bahn jetzt tatsächlich mit dem Abriss der seit Jahren von vielen Bürgern als Schandfleck titulierten Einrichtung begonnen. In der Tat befand sich das kleine mit Graffiti bemalte Gebäude seit langem in einem jämmerlichen Zustand. Die notdürftig vernagelten Fenster und die Ansammlung von Müll erregten immer wieder den Unmut der Spaziergänger. Wesentlich schärfer kritisiert wurde allerdings der freie Zugang zu der den Gleisen zugwandten Seite, der Kinder und Jugendliche zum Spielen und Verweilen einlud und abends und nachts auch ältere Mitbürger anlockte. Verschlissene Matratzen, Kunstoffbänke und Stühle dienten als Mobiliar. Und das alles nur wenige Meter entfernt von den mit hohen Geschwindigkeiten durchrauschenden Züge. Aber weder die Bahn noch die Stadt Langenhagen sahen einen Anlass für absichernde Baumaßnahmen. Am 5. Mai berichtete das Echo nach entsprechenden Recherchen,dass die Bahn noch für Ende dieses Jahres den längst überfälligen Abriss angekündigt hatte. Dass diese Planung nun vorgezogen wurde, ist immerhin ein erfreulicher Aspekt. Am vergangenen Dienstag wurde mit Hilfe eines Baggers die Nordseite des Gebäudes eingerissen und erste Teile des Daches entfernt. Dass sich das alles einige Tage hinzieht, liegt auf der Hand. Natürlich könnte die Bahn mit einer Abrissbirne den Flachbau in relativ kurzer Zeit "platt" machen. Doch bei einem derartig schwungvollen Manöver bestände die Gefahr, dass Gesteinsbrocken auf die Schienen geschleudert würden. Außerdem ist nicht erst seit heute eine akkurate Trennung der Baumaterialien angesagt, was die Abrissgeschwindigkeit erheblich verzögert. Das heißt: Steine, Holz, Metall und natürlich auch die als Sondermüll geltende Dachpappe müssen vor Ort auseinander sortiert werden. Wie Lutz Höntsch, innerhalb der DB-Netzwerk AG im Bereich Anlagensanierung und Rückbau als Teamleiter tätig, auf Anfrage mitteilte, werden die Abrissaktivitäten abschließend auch einen 30 Zentimeter tiefen Aushub des Erdbodens beinhalten, der gärtnerisch so behandelt wird, dass in absehbarer Zeit nichts mehr an das Betriebsgebäude erinnert.
Und dabei hat diese Einrichtung eine hochinteressante Geschichte. Angefangen hatte alles am 25. August 1890 mit mit der Eröffnung der Bahnstrecke Hannover-Langenhagen-Visselhövede. Und es war schon eine kleine Sensation, als Kaltenweide zwar keinen Bahnhof erhielt, aber immerhin eine schlichte Haltestelle. Erst nach 30 Jahren ohne betriebliche Aufgaben gab es mit dem Ausbau der Strecke von Langenhagen und Celle gravierende Neuerungen in Kaltenweide. Eine Überholspur und ein Abstellgleis enstanden, dazu Weichen und Schranken, die per Hand bedient wurden. Und Fahrkarten wurden auch verkauft, der erste Fahrdientleiter trat seinen Dienst an. Die logische Konsequenz: Das erste Betriebsgebäude wurde gebaut.