„Nachahmung dringend empfohlen“

Blühstreifen und Wildäcker beweisen ihren Wert

Engelbostel (gg). "Die Erfolge können sich sehen lassen!", so das Lob von Jürgen Ratsch, Vorsitzender der Naturkundlichen Vereinigung (NVL), zum Engagement von Landwirt Werner Straube. Er stellte Flächen für Blühstreifen und Wildäcker zur Verfügung, um verloren gegangenen Lebensraum für heimisches Wild und Insekten wieder herzustellen. In der Feldmark rund um Engelbostel konnten so insgesamt rund zehn Hektar Ackerfläche über fünf Jahre mit verschiedenen Blütenpflanzen wie Malven, Ölrettich, Sonnenblumen, Ackerstiefmütterchen, Lein oder Lupine, bestellt werden. "Für Bienen ist es wichtig, dass die Blühsaaten so ausgewählt werden, dass Pflanzen über einen möglichst langen Zeitraum blühen, damit die Bienen und andere heimische Insekten auch nach der Rapsblüte noch Nahrung finden", berichtet Jürgen Ratsch. Er ist Lehrer an der IGS-List und konnte daher vermitteln, dass die Schülerfirma „Imkerei der IGS List“ am Rand der blühenden Äcker 20 Bienenvölker aufstellte - mit Erfolg, sie brachten einen erfreulichen Honigertrag.
Die Bienenvölker sind Bestandteil des Forschungsprojekts „Bücherskorpione als Varroabekämpfer“, das von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert wird. Ziel dieser Maßnahme ist es herauszufinden, ob Bücherskorpione die von den Imkern gefürchteten Varroamilben so dezimieren können, dass auf chemische Bekämpfungsmittel verzichtet werden kann. Der Bücherskorpion ist ein Pseudoskorpion. Nur wenige Millimeter groß kann er überall leben, wo Menschen wohnen und Staub produzieren, denn er lebt von Staubläusen, Bücherläusen oder Hausstaubmilben.
Bereits vor zehn Jahren hatte Landwirt Werner Straube, der auch als Lohnunternehmer in Landwirtschaft und Landschaftsbau tätig ist, Grünbracheflächen für ein- und mehrjährige Blühsaatenmischungen zur Verfügung gestellt. Die damals gesammelten Anbauerfahrungen aus der neu gewonnenen Artenvielfalt konnten nun wieder angewendet werden. Werner Straube ist für seinen umfangreichen, viel- und langjährigen Einsatz von der Landesjägerschaft Niedersachsen mit einem Preis ausgezeichnet worden, dem „Goldenen Rebhuhn“. Diese Ehrung wird Nichtjägern zuteil, die sich in besonderem Maße für Artenvielfalt und Naturschutz engagieren. "Da Straßenverkehr und Freizeitgestaltung in der Natur gerade in Ballungsgebieten immer mehr zunehmen, bedarf es heute großer Anstrengungen, Lebensräume für die immer noch guten Hasen- und Rebhuhnbesätze zu schaffen", so der Hinweis von Jagdpächter Heinrich Biester, der die Naturschutz-Flächen immer im Blick hat. Er bittet darum, beim Joggen oder Hundausführen auf den ausreichend vorhandenen Wegen zu bleiben und die für jeden erkennbaren Bracheflächen unbedingt zu meiden.
Jürgen Ratsch freut sich über die Einbringung, die aufzeigt, wie vielfältig die Motivation für den Naturschutz gelagert sein kann. Er ergänzt: "Christian Deiters, der seit Jahrzehnten die Arbeit der NVL im Bereich Engelbostel unterstützt, war Ideengeber und hat Landwirt Werner Straube, Jagdpächter Heiner Deiters und mich an einen Tisch gebracht, um dieses Projekt in die Tat umzusetzen. Nachahmung auf weiteren Flächen kann ich nur dringend empfehlen."