Nachhaltige Festrede von Anneli Boy

Eine sehr lebendige Festrede hielt die DRK-Vorsitzende Anneli Boy.
 
Eine illustre Runde beim großen Jubiläum (von links): Friedhelm Fischer, Thomas Dettmer, Martina Rust, Anneli Boy, Willi Minne und Falk Wook. Fotos: K.Raap

Das DRK Godshorn feierte sein 100-jähriges Jubiläum

Godshorn (kr). „Der Schwerpunkt unseres Ortsvereins liegt immer noch darin, anderen Menschen zu helfen. Wir wünschen uns auch jüngere Mitbürger, die an unserer Arbeit interessiert und diese auch weiterführen möchten. Es ist ein Ehrenamt, das eine Menge Energie verlangt, aber auch viel Freude bereitet.“ Das betonte Anneli Boy, seit 2001 1. Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Godshorn, der jetzt im Dorfgemeinschaftshaus sein 100. Jubiläum feierte, vor 95 geladenen Gästen am Ende ihrer ebenso informativen wie kurzweiligen Festrede. Zunächst hatte Anneli Boy den großen Zeitraum der Geschichte des örtlichen Roten Deutschen Kreuzes skizziert. Nach 1900 kam es auch in den Langenhagener Gemeinden zur Gründung vaterländischer Frauenvereine, denen vor allem adlige, gut betuchte Damen angehörten. Sie arbeiteten ganz im Sinne des Roten Kreuzes, als sie in Friedenszeiten mitarbeiteten, außerordentliche Notstände zu lindern und in Kriegszeiten an der Fürsorge der im Felde Verwundeten und Kranken teilzunehmen. Gleichgesinnte Godshornerinnen trafen sich anfangs in Engelbostel und gründeten dann 1914 ihren eigenen Verein und legten damit den Grundstein für die DRK-Gruppe Godshorn. In der Satzung hieß es noch im Jahr 1916 unter anderem: „Befähigt zur Aufnahme ist jede unbescholtene Frau oder Jungfrau, ohne Unterschied des Standes, welche sich verpflichtet, während der Mitgliedschaft vierteljährlich mindestens 15 Pfennig zur Vereinskasse zu entrichten und nach Maßgabe ihrer Kräfte für die Vereinszwecke tätig zu sein.“ Die nationale Rot-Kreuz-Gesellschaft Deutschland entstand erst 1921 und hat heute vier Millionen Mitglieder. In der NS-Zeit fasste man alle Frauenvereine vom Roten Kreuz im DRK-Reichsfrauenbund zusammen. Damals fielen alle Wohlfahrtseinrichtungen an die NS-Frauenschaft. Das Jugendrotkreuz ging an die Hitlerjugend, das DRK wurde in den Mittelpunkt des gesamten Rettungsdienstes gestellt. Der Krieg wurde auch für die örtlichen Organisationen bei unzähligen Luftangriffen zu einer Zerreißprobe. Die Mitglieder mussten immer wieder unter Einsatz ihres eigenen Lebens ihre stark reglementierten Hilfstätigkeiten ausüben. In einem aufrüttelndem Aufruf des DRK-Kreisverbandes Hannover-Land hieß es 1949: „Die Not in unserem Volk ist schlimmer denn je zuvor. Der größte Teil der arbeitenden Bevölkerung verdient nicht genügend Geld, um die dringlichsten Wünsche zu befriedigen, viele sind arbeitslos, wir müssen uns zusammenschließen und gemeinsam anstemmen gegen das Elend, gegen die Gewalt, gegen die Brandung, die uns zu zerschlagen gilt. Wir wollen helfen, helfen, helfen.“ Der 1954 gegründete legendäre DRK-Suchdienst wurde auch von den Ortsvereinen genutzt, die Informationen sammelten und vielen Menschen halfen, nach Krieg und Vertreibung wieder zusammenzufinden.
Die Arbeit hat sich zwar verändert, aber das DRK, heute mit 243 Mitgliedern, spendet weiterhin für Menschen in Not und bestimmte Einrichtungen. Seit 40 Jahren existiert eine Begegnungsstätte, die gut angenommen wird. Montags und donnerstags treffen sich dort 20 bis 25 ältere Mitbürger. Aus der Begegnungsstätte wird zuweilen auch eine Kaffeestube für Jedermann. Viermal im Jahr ruft das Godshorner DRK zur Blut- und zweimal zur Kleiderspende auf. Es bestehen ein Helferkreis, der Besucherdienste übernimmt und gemeinsam mit der AWO läuft eine Theatergruppe. Zu den weiteren Aktionen zählen ein Sommer- und ein Weinfest sowie eine Weihnachtsfeier. Verteilt an Bedürftige werden jeden Freitag Lebensmitteltüten. Angeboten werden Halb- und Tagesfahrten mit dem Bus sowie die Teilnahme an örtlichen Veranstaltungen und Treffs innerhalb der DRK-Ortsarbeitsgemeinschaft.
Grußworte zum großen Jubiläum überbrachten Thomas Dettmer für die Region Hannover, Langenhagens Bürgermeister Friedhelm Fischer, Ortsbürgermeister Willi Minne, Pastor Falk Wook und die Langenhagener DRK-Vorsitzende Martina Rust mit sehr persönlichen Worten. Übereinstimmend leuchteten sie die facettenreichen Aktivitäten des Ortsvereins aus und würdigten das überragende Engagement in der ehrenamtlichen Arbeit. Es fehlte auch nicht an eindringlichen Appellen alles zu tun, um bei den Neuwahlen Mitte April eine Nachfolgerin für Anneli Boy zu finden, die nach 13-jährigem sehr erfolgreichem Wirken als 1. Vorsitzende ihr Amt in jüngere Hände legen will. Dem DRK gehört sie seit fünfeinhalb Jahrzehnten an und fungierte in dieser Zeit unter anderem als Gruppenführer der Bereitschaft, als Beisitzerin und als Schriftführer. Unter den Gäste der Veranstaltung unter anderem auch Renate Moderow, Vorsitzende des Landfrauenvereins Krähenwinkel/Godshorn, Christine Ebers, zuständig für das Seniorenbüro Langenhagen, Kirchenvorstandsvorsitzender Marko Balkenhol, der für Grafik und Gestaltung der 64-seitigen Jubiläumsbroschüre verantwortlich zeichnete und Godshorns AWO-Vorsitzender Friedhelm Schulz.
Schwerarbeit für Anneli Boy am Jubiläumstag, denn sie musste mit ihrer Festrede einige Stunden später erneut ran. Denn dann waren die Goshorner DRK-Mitglieder bei Kaffee und Kuchen bei einer zweiten Feier unter sich. Für Stimmung sorgte die bekannte Akkordeonistin Penelope Simms aus Godshorn. Bei der vorangehenden Veranstaltung hatte das Quartett „Park Avenue“ mit vielen bekannten Titeln für Schwung gesorgt.