"Nachtflüge sind unverzichtbar"

Die Referenten der Veranstaltung des Bürgerforums Pro Airport (von links): Ingenieur Ulfert Hinz, Vorsitzender Bernd Speich, Minister Jörg Bode und Michael Hesse von der Flughafen-Geschäftsleitung. Foto: K. Raap

Minister Jörg Bode Gastredner beim Bürgerforum PRO Airport

Langenhagen (kr). "Ich freue mich ganz besonders, vor einer Organisation zu sprechen, in der sich die Mitglieder für und nicht gegen etwas engagieren, und das schon seit acht Jahren mit großem Einsatz", das betonte Jörg Bode, stellvertretender Ministerpräsident des Landes Niedersachsen und Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr auf der öffentlichen Jahresabschlussveranstaltung des Bürgerforums PROHannover-Airport. Im Hinblick auf seine Verkehrs-, Standort- und Wirtschaftsfunktion sei der Flughafen Hannover-Langenhagen wichtigster Bestandteil der Infrastruktur des Landes" unterstrich Bode, "er sichert den Wohlstand für viele Familien in Langenhagen und in der Region." Immerhin gebe es direkt am Airport fast 9.000 Arbeitsplätze und weitere 22.000 im Lande, die aus den Aktivitäten des Flughafens resultierten. Dazu zählten auch die vielen, von einigen Kommunalpolitikern kritisierten Unternehmen der Logistkbranche, die einfache bis hochqualifizierte Arbeitsplätze anböten. Jeder zehnte Job in Niedersachsens, sei in dieser Branche beheimatet. Seit 60 Jahren könne man stolz auf den Flughafen sein, der unzählige Impulse für echtes Wachstum gegeben habe. Ohne ihn sei beispielsweise auch die Existenz der weltweit bedeutenden Messen in der Landeshauptstadt nicht denkbar. Mit Hinblick auf Arbeitsplätze am Flughafen lehnte Bode auch ein absolutes Nachtflugverbot ab. Nachtflüge seien auch unverzichtbar im Zusammenhang mit der Koordination der weltweiten Flugpläne. Er plädierte dafür, die Entwicklung leiserer Flugzeuge weiter zu forcieren. Eine erfreuliche Neuigkeit konnte Bode der Flughafen GmbH übermitteln: "Der Bundesrat hat am heutigen Freitag die Bundesregierung aufgefordert, die umstrittene Luftverkehrssteuer, besser bekannt als Ticketsteuer, die allein der Sanierung des Bundesetats diente, noch in diesem Jahr wieder abzuschaffen." Einem entsprechenden Antrag Bayerns hätte sich zuvor auch Niedersachsen angeschlossen.
Wie Michael Hesse von der Geschäftsleitung des Flughafens berichtete, hänge auch die Schließung von vier Verbindungen zwischen Hannover und München bei Air Berlin mit der Ticketsteuer zusammen "Damit fehlen dem Flughafen", so Hesse, "jährlich 140.000 Fluggäste. Davon können wohl nur 40.000 von der Lufthansa aufgefangen werden." Deutliche Kritik übte auch Michael Hesse an Langenhagener Kommunalpolitikern, "die den Begriff Logistikbranche wohl als Unwort des Jahres betrachteten". Die Furcht vor zuviel Logistik auf den Gewerbeflächen am Flugplatz sei völlig unbegründet. Hier gehe es um die Verarbeitung hoch komplexer Zusammenhänge. Die Branche umfasse Arbeitsbereiche auch außerhalb des Niedriglohnsektors. So seien allein in diesem Jahr am Airport 300 neue Arbeitsplätze entstanden, 80 davon im Bereich Verwaltung.
Eine neue Karte mit den drei aktuellen Lärmschutzzonen stellte Ulfert Hinz vor, der sie im Auftrag des Vereins PRO Airport erarbeitet hatte. Wie das Langenhagener ECHO bereits berichtete, sind insgesamt knapp 9000 Langenhagener vom Fluglärm betroffen. 2880 von ihnen haben Anspruch auf passiven Lärmschutz. Ein Schwerpunkt der Lärmbelastung liegt am Reuterdamm. Wie Vereinsvorsitzender Speich in diesem Zusammenhang berichtete, seien viele Häuser erst in jüngerer Vergangenheit entstanden. "Bereits im Jahr 1961 hat jeder Grundstsückseigentümer am Reuterdamm ein notariell beglaubigtes Schreiben der Stadt erhalten", so erläuterte Speich, "in dem ihm mitgeteilt wurde, dass das Kaufgrundstück in der Einflugsschneise des Flughafens liegt. Gleichzeitig verzichtete der Käufer mit seiner Unterschrift auf alle Ansprüche, die sich aus dem Betrieb des Flughafens ergeben könnten. Gleichzeitig verpflichtete sich der Erwerber, bei einem Verkauf des Grundstücks, die neuen Besitzer und alle weiteren Nutzer entsprechend zu informieren." Mit seinen jetzt 241 Mitgliedern erwarte Pro Airport eine Versachlichung und Vertiefung der Diskussion in Sachen Fluglärm.