Nächtliche Invasion im Eichenpark

Das Bild zeigt links das flügellose Weibchen des Kleinen Frostspanners, rechts das Männchen. (Foto: K. Teufert)

Karlheinz Teufert beobachtet Frostspanner

Langenhagen. "Ich muß schon sagen, zur Zeit ist nachts was los im Eichenpark", so die Beobachtung von Karlheinz Teufert. Wer jetzt in den ersten kalten Nächten nach Einbruch der Dunkelheit im Eichenpark unterwegs ist, wird überrascht sein, wie viele kleine, bräunliche Mini-Schmetterlinge zur Zeit an den alten Baumstämmen umherfliegen oder sich an ihnen abgesetzt haben. Mitunter lassen sich einige Dutzend dieser unansehnlichen, bis zu einem Zentimeter großen Motten allein an einem Stammgrund zählen. Mit ausgebreiteten Flügeln messen diese Insekten bis zu 25 Millimeter.
"Es sind aber, wie ein Entomologe feststellen würde, gar keine Motten, sondern die Männchen des Kleinen Frostspanners, Operophtera brumata, eines immerhin gefürchteten Waldschädlings", erklärt Teufert. Er hat nachgelesen: "Die Männchen warten mit dem Kopf nach oben ausgerichtet am Stamm, die Flügel gefaltet, auf die aus der Erde hinauf kriechenden Weibchen, aber nur wenige haben das Glück eines solchen Rendezvous, denn die Männchen sind in einer argen Überzahl. Kommt es dennoch zu einer Kopulation, so dreht sich der Hochzeiter um 180 Grad, das Weibchen aber orientiert sich weiterhin nach oben auf das kaum noch vorhandene Blätterdach, das Männchen nun aber nach unten zum Stammgrund. Die Tiere leben nur wenige Tage und die Reste des Männchens hängen dann hingewelkt an der Baumrinde, ein leckeres Winter-Frühstück für die auch in dieser Jahreszeit frühzeitig aktiven Singvögel. Das Weibchen des Kleinen Frostspanners besitzt überdies gar keine Flügel, diese, sozusagen von der Evolution geraubt, sind nur noch als ganz kleine Stummelchen vorhanden. Hat das Männchen seine Schuldigkeit getan, kriecht und springt die Partnerin behänd hinauf in das Geäst, um dann die Eier knospennah in Rindenspalten abzulegen. Die später grünen Larven erscheinen im nächsten Jahr von März bis Mai, bilden zum Schutz gegen Freßfeinde lockere Gespinste und lassen sich dann von diesen an Fäden herab. Die Verpuppung findet schließlich im Boden statt."
Diese hässlichen Gespinste seien regelmäßigen Parkbesuchern noch aus dem letzten Frühsommer in unangenehmer Erinnerung. "Besonders häufig waren sie in der Anlage des Generationen-Trimm-Dich-Platzes", weiß der passionierte Sportler.