Nicht nur Schätze im Silbersee

Birgit Karrasch mit einem der vielen Funde, einem Feuerlöscher aus dem Jahre 1902. Im Hintergrund eine Karte des Silbersees; mit der Historie rund um das Gewässer hat sich die Verwaltungsmitarbeiterin während der Arbeiten intensiv auseinandergesetzt. (Foto: O. Krebs)

Sagenhafte 11,2 Tonnen Munition gefunden

Langenhagen (ok). 11,2 Tonnen – die Zahl ist einfach gigantisch. Mit diesem Munitionsfund am Silbersee konnte wirklich keiner rechnen. Etwa 3.500 kleinerer und großer Teile – ein ziemlicher Berg – deutscher Munition und alliierter Kampfmittel sind jetzt im und am Silbersee gefunden worden. Um einmal die Dimensionen zu verdeutlichen: Das schwerste Teil wog 45 Kilogramm, das kleinste 10 Gramm. „Wir haben den Sanierungsbereich auf 20.168 Quadratmeter erweitert, die Bauzeit mit erhöhten Kosten von drei auf sechs Monate verlängert worden“, erläutert Bürgermeister Mirko Heuer, der froh ist, dass die Nutzung mit Beginn der Badesaison wieder möglich ist. Knapp 10.000 Kubikmeter Bodenmassen sind bewegt worden; die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 976.000 Euro, davon sind 55 Prozent als Förderung beim Land beantragt worden. Zur Historie: Schon 2008 und 2009 ist der so genannte Sprengplatz auf der Südseite sondiert worden, bereits in den 90er Jahren ein Gutachten erstellt worden; schon in der Zeit sei viel Munition gefunden worden. Schon früher ist Munition gefunden worden, bis 1995 war allerdings der ganze Strandbereich frei zugänglich. Die Stadtverwaltung gibt allerdings zu, dass der Flachwasserbereich wohl damals zu sehr auf die leichte Schulter genommen worden ist, so genannte temporäre Luftbildaufnahmen hätten neue Erkenntnisse gebracht. Jetzt wurde allerdings Tabula rasa gemacht; der Boden ist gründlich gesiebt worden. Und dabei sind auch jede Menge nicht-militärische Teile ans Tageslicht gekommen, mit denen Birgit Karrasch fast ein kleines Museum im Rathaus eröffnen könnte. Ein Feuerlöscher aus dem Jahre 1902, das Rad eines Kettenmotorrades von 1943, ein alter verrosteter Werkzeugkasten sowie ein Anker von 1943. Aber auch antiquierte Bier- sowie Cognacflaschen, ein Stahlhelm mit Einschussloch und eine Koppelschnalle und sogar Teile einer Lore aus den Zeiten des Kiesabbaus in dem Gewässer waren im Sortiment. Wahre Schätze im Silbersee. Aber auch jede Menge Ei- und Phosphorgranaten, Brandbomben, Panzerfäuste und Bazookas. Mirko Heuer verspricht: „Wir werden weiterhin aktiv suchen, die Grundkarten werden systematisch abgearbeitet. Der zusätzliche Sachbearbeiter sei dringend notwendig, das Land müsse in die Pflicht genommen werden. Stadtbaurat Carsten Hettwer gibt dem Rat der Stadt den Tipp, auch weiterhin intensiv die Verdachtspunkte in der Stadt unter die Lupe zu nehmen. Weil das Sondierungsgebiet jetzt erweitert werden musste, stellt sich Hettwer die Frage, wie sorgfältig die Grenzen 1990 gesetzt worden sind. Die Mitarbeiter der Spezialfirma haben ganze Arbeit geleistet, das betroffene Gebiet in den vergangenen Wochen und Monaten gleich zweimal sondiert, bevor der Kampfmittelbeseitigungsdienst noch einmal intensiv geschaut hat. Bürgermeister Mirko Heuer ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Ich kann damit ruhig schlafen.“