Noch nicht der Weisheit letzter Schluss

Kassel: Ein 50-Meter-Becken in der Halle. In Langenhagen wird's die Hälfte.Fotos: O. Krebs
 
Außenansicht: Das Auebad in Kassel; hier war wie in Langenhagen Constrata federführend.

Betriebsausschuss des Eigenbetriebes Bad sah sich in Osnabrück, Bad Endbach und Kassel um

Langenhagen (ok). Osnabrück, Bad Endbach, Kassel – an die 600 Kilometer waren die Mitglieder des Betriebsausschusses des Eigenbetriebes Bad jetzt unterwegs, um Bäder unter die Lupe zu nehmen. Schwerpunkte waren Sauna und Fitness, Kassen- und Eingangsbereiche, aber auch die Technik. Und gerade in Kassel, darüber waren sich alle einig, ist mit dem Auebad – es ist im vergangenen Sommer eröffnet worden – ein neues Hallenbad entstanden, das den Vorstellungen der Langenhagener ziemlich nahe kommt. Betreiber ist hier wie auch in Langenhagen GMF, Projektsteuerer Constrata. Die Kosten liegen mit 32 Millionen Euro netto zwar höher, als sie in der Flughafenstadt angesetzt sind, aber dort gibt es auch eine 50-Meter-Bahn. Ein Herzenswunsch, den auch Ausschussmitglied Wilhelm Behrens hat, von dem er sich aber wohl verabschieden muss. Zu teuer bei den Folgekosten, so lautet der allgemeine Tenor. Ansonsten aber traf Vieles den Geschmack der Reisegruppe – der Saunabereich soll in Langenhagen sogar noch ausgedehnter sein, denn hier sehen die Ausschussmitglieder und auch Betriebsleiter Carsten Hettwer die größten Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Das sei beispielsweise auch im zweiten Bad, der Lahn-Dill-Berglandtherme im hessischen Bad Endbach nicht gegeben; die Struktur der Sauna sei einfach nicht ausreichend. Das Bad kommt kaum als Prototyp für Langenhagen in Frage – das Becken zu kurz, das Wasser zu warm, eher ausschließlich für die ältere Generation geeignet. Ein Sportbad gibt es ganz in der Nähe. Aber hier lag das Augenmerk dann eben doch mehr auf Sauna und Kassenbereich, aber auch auf Decken, Rutschfestigkeit der Fliesen und immer wieder die Technik. Die Kostenstruktur interessierte die Langenhagener Politiker dann doch sehr an der ersten Station, dem Nettetal-Bad in Osnabrück, dem ein Premium-Fitnesscenter angeschlossen ist. Hier wird mit Geothermie geheizt, allerdings ist dies nur einem „Glückstreffer“ bei der Bohrung zu verdanken, wie deutlich wurde. Carsten Hettwer sieht diese Chance in Langenhagen nicht, der Aufwand wäre zu hoch. Deutlich wurde aber auch, dass die Fertigstellung des Baus noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein muss. 2005 ist das Bad in Osnabrück für 28 Millionen Euro komplett erneuert worden; 2010 haben die Verantwortlichen eine Million Euro in eine neue Rutsche investiert, um den Standort attraktiver zu machen. Eine Entscheidung, die ein Jahr darauf 130.000 Besucherinnen und Besucher mehr nach Osnabrück gelockt hat. Für die Ausschussmitglieder ein Zeichen, wie wichtig ein so genannter Masterplan mit Erweiterungsmöglichkeiten sei.
Die Enddetailplanungen mit der Erweiterung des Masterplans laufen jetzt; die Ausschreibung ist für Oktober vorgesehen.
Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres ist für Bürgermeister Friedhelm Fischer der richtige Zeitpunkt, um über Personalplanungen nachzudenken. Und hier sind nach seiner Aussage auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hallenfreibad GmbH in Godshorn mit im Boot, können sich bewerben und qualifizieren und gern jetzt auch schon ihre Erfahrungen in den Ausschüssen mit einbringen. Für Geschäftsführer Stefan Otte eindeutig zu spät. Seine Leute seien stark verunsichert, einer habe jetzt schon gekündigt, weil die Zukunft unsicher sei. Otte und seine Crew fühlen sich von der Stadtverwaltung schlichtweg im Stich gelassen.
Aber vielleicht gibt es ja doch noch eine Chance fürs Godshorner Freibad; sowohl Heuer als auch Fischer schlossen die Möglichkeit nicht aus, dass der Betrieb irgendwie weiterläuft – wenn auch ohne städtische Zuschüsse.
Thema Energie: Verschwindet wertvolle Wärme in Langenhagen einfach ungenutzt in den Wolken? Zumindest bemängeln Stefan Dammann und Dieter Palm (beide FDP) sowie Mirko Heuer, dass einfach nicht effizient gearbeitet werde. So hätte bei vorausschauender Planung, die Wärme, die an der Eishalle aus dem Schornstein kommt, durchaus für das neue Schwimmbad genutzt werden können. Allerdings hätte dann ein anderer Standort gewählt werden müssen, jetzt seien die Wege eindeutig zu lang. Die Ratsentscheidung ist aber ja bereits gefallen.
Der Betriebsausschuss des Eigenbetriebes Bad kommt am Dienstag, 17. Juni, um 17.45 Uhr zu seiner Sitzung im Ratssaal zusammen.