Null Toleranz?!

In einer achten Klasse eines Gymnasiums gestalteten Schüler eine interaktive Homepage, auf der ein Klassenkamerad beleidigt und gedemütigt werden kann. Die Startseite der Homepage zeigte das Bild des Schülers und es blinkte ein Schriftzug auf: „Lass ihn leiden!“
Besucher dieser Homepage konnten per Mausklick den Schüler schlagen. Dazu ertönte Applaus. Auch Beleidigungen und sehr demütigende Geschichten über den Jungen fanden sich für alle lesbar.
Ein Lehrer erfuhr zufällig von dieser Internetseite und berief eine Klassenkonferenz ein. Alle Lehrer waren schockiert, dennoch entstand ein Streit, was zu tun sei. Die einen sprachen sich für Strafen aus. Andere Lehrer fanden das Ganze aufgebauscht. Ihrer Meinung nach handelte es sich hier um einen einfachen Schülerstreich. Früher habe man das Bild von einem Klassenkameraden an die Tafel gemalt und dazu geschrieben: „Dieser Junge ist doof.“ Solche Schülerstreiche müsse man einfach tolerieren…
Toleranz – ein großes Wort, doch wie ist das eigentlich bei mir? Wie tolerant bin ich? Wo ist für mich die Grenze?
Die Evangelische Kirche hat für 2013 das Jahr der Toleranz ausgerufen. Ein sehr spannendes und wichtiges Thema!
Auch als Kirche müssen wir uns nach der eigenen Toleranz fragen: Gehören fröhlich schreiende und herumlaufende Kinder zum Gottesdienst dazu oder sind sie eine Störung? Als junger Vater denke ich da sicherlich anders als Andere – eben eine Frage der Toleranz!
Jesus hat das mit der Toleranz einmal so auf den Punkt gebracht: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ (Matthäus 7,12).
Sebastian Müller, Vikar