„Nur die Eliten profitierten von der Reformation“

Nahm Martin Luther kritisch unter die Lupe: Mark Feuerle. (Foto: O. Krebs)

Unidozent Mark Feuerle referierte vor Schülern des Gymnasiums und der IGS

Langenhagen (ok). Auf der einen Seite Martin Luther, der quasi als Heiliger dargestellt werde, auf der anderen Seite die Päpste – unsympathisch und übergewichtig. So ist nach Ansicht Mark Feuerles, Dozent am Institut für Philosophie an der Leibniz Universität, das Bild im Mittelalter gezeichnet worden. Feuerle referierte jetzt auf Einladung der Gymnasiallehrerin Maren Hoffmeister vor Schülern des Gymnasiums und der IGS in der Aula. Was die Reformation angeht: Vom Wegfall des Ablasshandels profitiere vor allen Dingen die bürgerliche Elite. Denn die Abgaben seien einen Gradmesser für den sozialen Stand wie auch in den USA bei Wohltätigkeitsveranstaltungen. So sei es letztendlich die mächtige, reiche Oberschicht gewesen die von der städtischen Reformation profitiert habe. Die Ärmeren hätten die Entlastung gefordert, für die Reicheren sei sie prozentual von Vorteil gewesen. Feuerle nannte seine Heimatstadt Bremen als Paradebeispiel für diese Entwicklung. Nicht umsonst sei die Hansestadt als „Rom des Nordens“ bekannt. Im 15. und 16. Jahrhundert wuchsen die Städte, die soziale Kontrolle sei verloren gegangen. Und dann gab es ja auch noch die Reformation auf dem Lande, Feuerle führte hier eine Mittelstadt an der Weser, nämlich Nienburg, als Beispiel an. Als die Kirche hier das Sagen hatte, kursierte der Spruch: „Unterm Krummstab lässt sich gut leben.“ Denn die Kirche habe ja oft sozialistisch, fast wie ein Staatsbetrieb agiert. Als die Fürsten als private Besitzer die Ländereien übernommen hatten, habe alles ganz anders ausgesehen. „Wer liebt schon seinen Vermieter?“, fragte Mark Feuerle mit einem Bezug zur Gegenwart. Die Reformation sei auch populistisch gewesen, einfache Lösungen seien gesucht, so genannte Fake-News seien von den Eliten verbreitet worden. Feuerle: „Die Leute haben das geglaubt, was sie für möglich hielten.“