Nur schwarz und weiß?

Das war sie nun, die Fußball-EM. Irgendwie schade, dass schon wieder alles vorbei ist. Und was bleibt in Erinnerung? Die Randale der Hooligans zu Beginn oder doch die Choreographie der Isländer? Die Freude des neuen Europameisters Portugal oder die Enttäuschung darüber, dass es das deutsche Team nicht geschafft hat? Moment mal! Was hat „La Mannschaft“ nicht geschafft? Klar, sie sind im Halbfinale ausgeschieden aber bis hierher haben es ja 20 Mannschaften gar nicht erst geschafft. Trotzdem bleibt in vielen Köpfen nur das verlorene Spiel.
Es gibt nur schwarz oder weiß, keine Grauzone dazwischen, in der man sich über das eine noch ein bisschen ärgert und sich gleichzeitig über die Erfolge freut. Dabei ist doch genau das wie im wahren Leben. Vieles in unserem Alltag ist eher so mittel. Nicht besonders schlecht aber auch nicht wahnsinnig gut. Wir bewegen uns meistens in so einer Grauzone und nur manchmal ist etwas ziemlich schwarz oder strahlend weiß. Wir müssen täglich damit leben, dass wir nur das „Halbfinale“ erreichen.
Und ganz nebenbei verlangt auch niemand von uns, dass wir immer die Gewinner sind, auch Gott nicht. Wir wären ziemlich aufgeschmissen, wenn sich Gott nicht auch mit uns über kleinere Erfolge freuen und uns in Niederlagen beistehen würde. Er kennt die Umstände unseres Lebens und weiß genau, wie viele Dinge zusammenpassen müssen, damit unser Tun von Erfolg gekrönt wird. Deshalb findet es Gott auch voll okay, wenn wir „nur“ das Halbfinale erreichen.
Letztlich sind wir alle Gewinner, wenn wir genau das verstehen: Das Leben besteht nicht nur aus Erfolg und Misserfolg, nicht nur aus schwarz und weiß, sondern aus ganz viel grau. Und Gott ist immer an unserer Seite, ob wir gewinnen oder verlieren und vor allem auch dazwischen. Ich denke, so sollten wir auch die EM rückblickend betrachten. Es gab ganz viele strahlend-weiße Momente, ein bisschen schwarz und vor allem ganz viel dazwischen, was uns einfach wunderbare 4 Wochen beschert hat.

Yvonne Lippel, Diakonin