Ökonomisierung bereitet Brunotte Kopfschmerzen

Die SPD-Politiker nahmen eine Menge aus der AWO-Kita mit.

SPD-Politiker besuchten AWO-Kita Moorlilienweg in Langenhagen

Langenhagen. „Wir haben hier ein tolles Team und ein tolles Einzugsgebiet mit sehr motivierten Eltern“ - mit diesen Worten begrüßte Barbara Stamm, Leiterin der AWO Kita Moorlilienweg in Langenhagen, ihren Besuch aus der Politik: Mehrere SPD-Landtagsabgeordnete der Region Hannover und Caren Marks, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Eingeladen hatte sie der für Langenhagen zuständige SPD-Landtagsabgeordnete Marco Brunotte. Stamm führte die Besucher durch die Einrichtung, in der derzeit 102 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren betreut werden; wichtigste Themen beim anschließenden Austausch waren die Erzieher- und Erzieherinnenausbildung und der Fachkräftemangel. Stamm und Heike Rahlves, stellvertretende Fachbereichsleiterin Tageseinrichtungen für Kinder bei der AWO, lobten die rot-grüne Landesregierung für die Einführung der Dritten Kraft in den Krippen. „Die dritte Kraft in den Krippen ist Gold wert“, sagte Rahlves. Allerdings sollten diese Stellen ihre Ansicht nach künftig auch von Erziehern besetzt werden und nicht wie derzeit von Sozialassistenten, die jetzt sozialpädagogische Assistenten heißen. „Die Assistenten werden nur zwei Jahre ausgebildet und bringen nicht alles mit, was sie für die Erziehung von Kindern brauchen“, betonte Rahlves.
So seien vertiefte pädagogische Inhalte erst später Teil der Ausbildung, wozu beispielsweise Wissen über die verschiedenen Entwicklungsphasen der Kinder gehörten und wie man diese am besten begleitet. Die AWO sei bereits tätig geworden und ermögliche ihren sozialpädagogischen Assistenten Fortbildungen. Brunotte wollte von Rahlves und Stamm wissen, was sie bei der Ausbildung von Erziehern befürworten: eine duale Ausbildung oder ein Studium. Beide sprachen sich für die duale Ausbildung aus. „Praktische Arbeit schon während der Ausbildung ist ganz wichtig, damit es nicht zu einem Praxisschock nach der Ausbildung kommt“, so Rahlves. Es müsse aber weiterhin möglich sein, dass die Ausbildung zum Studium befähige, betonte Stefan Politze, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.
„Mir bereitet die zunehmende Ökonomisierung im sozialen Bereich Kopfschmerzen“, sagte Brunotte. Qualitativ hochwertige Träger wie die AWO dürften nicht von günstigeren Anbietern verdrängt werden, die nur deshalb günstiger sein könnten, weil sie ihre Beschäftigten schlechter bezahlen oder bei der Qualität sparen. „Die AWO darf nicht ins Hintertreffen geraten, weil sie ihre Mitarbeiter anständig entlohnt und sie fortbildet. Qualität muss ihren Preis haben dürfen - deshalb darf sich eine Ökonomisierung nicht ausbreiten“, betonte der SPD-Abgeordnete.
Sorgen bereite der Einrichtung derzeit der Fachkräftemangel - es sei mittlerweile sehr schwer, Erzieherinnen und Erzieher zu finden, der Markt sei wie leergefegt, berichtete Stamm. Es habe aber auch schon andere Zeiten gegeben. „In den 90er-Jahren hatten wir eine regelrechte Erzieherschwemme und man konnte sich die Bewerber aussuchen“, erinnert sie sich. Das Schulgeld für die Ausbildung, vier Jahre, in denen die Auszubildenden nichts verdienen, das sei früher anders gewesen und mache den Beruf heute für viele junge Menschen unattraktiv. „Das müssen wir wieder ändern“, betonte Caren Marks, Bundestagsabgeordnete für Langenhagen. Die SPD auf Bundesebene werde sich dafür einsetzen, alle sozialen Berufe aufzuwerten, versprach sie. Dazu gehörten vor allem auch bessere Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten, betonte die Politikerin. Nur so könne dem Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegen gewirkt werden. Am Ende hatten Stamm und Rahlves zwei Wünsche an ihre Besucher aus der Politik: Die Aufwertung des Erzieherberufs und mehr Sprachförderstunden.