Oft auf der Sonnenseite des Lebens

Eine Linde darf im Haus nicht fehlen, schließlich hat der Weltenbummler Joachim Bause in der Kaltenweider Lindenstraße seinen Heimathafen. (Foto: O. Krebs)

Kaltenweider Joachim Bause hilft, wo er nur kann

Kaltenweide (ok). Er hat ein großes Herz und sich eine Lebensaufgabe gestellt: Joachim Bause, gerade 80 Jahre alt geworden und von fast allen nur Achim genannt, will Menschen, denen es schlechter geht, helfen, wo er nur kann. Und besonders Kinder sind dem Kaltenweider, der schon in den 80er- und 90er-Jahren sehr viele Patenschaften in Guatemala über die Kindernothilfe Duisburg übernommen hatte, sehr wichtig. Bause hat die Stiftung Viracocha in Kolumbien mit ins Leben gerufen, dafür eine Finca und sechseinhalb Hektar Land erworben. „Mittlerweile ist das eine richtige Begegnungsstätte geworden. Wir kümmern uns darum, dass etwa 120 Kinder Schuluniform und Schulmaterial und jeden Mittag eine warme Mahlzeit bekommen“, sagt Achim Bause nicht ohne Stolz. Er habe oft auf der Sonnenseite des Lebens gestanden, einen guten Job und vor allen Dingen auch eine Menge Glück gehabt. Drei große Ereignisse, bei denen er dem Tod nur um Haaresbreite entronnen sei, hätten sein Leben geprägt. Zunächst einmal der große Bombenangriff auf Hannover im Jahre 1943. Bause, der mit seiner Familie mitten in der Stadt lebte, war gerade mal sieben Jahre alt und zum Zeitpunkt der Bombardierung glücklicherweise gerade in der Ferienwohnung in Kaltenweide. „Sonst wäre ich heute nicht mehr am Leben“, sagt der Rentner, der viele Jahre lang in leitender Position für Weltfirmen gearbeitet hat. Als er 16 Jahre alt war, explodierte im elterlichen Haus an der Heinrichstraße eine Propangasflasche – sein Vater starb bei dem Unglück, bei der Mutter waren mehr als zwei Drittel der Hautoberfläche dritten Grades verbrannt. Achim und sein jüngerer Bruder Edgar, die ebenfalls im Haus waren, überlebten. Ein drittes Datum in seinem Leben, das er nie vergessen wird: der 14. Februar 1986. Joachim Bause war nach einem Kundenbesuch auf der A 7 auf spiegelglatter Fahrbahn auf den Weg nach Hause, als er bei Bispingen plötzlich „abhob“ und in ein Waldstück flog. „Mein erster Gedanke war, dass sich so der Tod anfühlen muss“, schoss es Bause durch den Kopf. Ein Baum durchbohrte das Auto; Achim Bause wachte im Soltauer Krankenhaus auf und war nicht lebensgefährlich verletzt. Drei Mal dem Tod von der Schippe gesprungen, dazu kommen „kleinere Sachen“ wie etwa ein Sturz von der Leiter aus drei Metern vor einem halben Jahr, bei dem er ungebremst mit dem Hinterkoppf auf einer Betonplatte landete. Fast wie eine Katze, die sieben Leben hat.
Übrigens: Zumindest für den Ort Kaltenweide war Bauses Autounfall ein Glücksfall. Der Prokurist und Bereichsleiter für Vertrieb und Logistik musste nach einer verunglückten Wirbelsäulenoperation in Pension und hatte danach mehr Zeit, sich um seine Ehrenämter zu kümmern. So ging der Sozialdemokrat Ende der 90er-Jahre wieder in den Kaltenweider Ortsrat, nachdem er schon von 1962 bis 1974 – zwölf Jahre als Fraktionsvorsitzender und davon acht Jahre auch als erster Beigeordneter (erster stellvertretender Bürgermeister) – im Gemeinderat der damaligen selbstständigen Gemeinde Kaltenweide aktiv war. Er erinnert sich: „Das war damals die große Zeit der SPD. Wir haben Vieles auf den Weg gebracht – Feuerwehrgerätehaus, neue Schule, Turnhalle, Kindergarten, Festplatz und Schützenhaus beispielsweise.“ Bause – seit 52 Jahren SPD-Mitglied – war auch 15 Jahre lang Vorsitzender des TSV KK, hat die Bezirkssportanlage am Waldsee mitgeplant, mitgebaut und 1965 miteröffnet. Musikalisch ist er auch, hat das Musikkorps Kaltenweide mitgegründet und ist heute als Trompeter das einzige Gründungsmitglied, das noch seit 63 Jahren aktiv Musik macht. Ein weiterer Superlativ: Achim Bause war 1964 der jüngste und nach 26 Jahren dienstälteste Schiedsmann des ehemaligen Landkreises Hannover. BUND, Johanniter, AWO – überall mischt Bause mit, seit zehn Jahren auch sehr aktiv bei der Kaltenweider Lernhilfe. Im Oktober feiert er mit seiner Ursula diamantene Hochzeit, und dann geht es auf Kreuzfahrt ins Mittelmeer. Reisen ist eine große Leidenschaft der beiden. Sie haben schon alle Kontinente und fast alle Länder auf der Welt gesehen. Kurzum: Joachim Bause, der zu seinem Geburtstag auch viele alte Weggefährten eingeladen hatte, ist mit seinem Leben rundum zufrieden. „Das Einzige, was wir uns wünschen ist Gesundheit, damit wir noch viel gemeinsam erreichen und erleben können“,sagt der 80-Jährige und strahlt seine Frau bei diesen Worten an.