Osterpredigt des Kirschbaums

Ostern ist unser wichtigstes Kirchenfest. Auferstehung heißt: dass Lebens aus dem Tod kommt. Davon kann ich doch nichts sehen, sagen einige. Jesus, der von den Toten aufersteht - das passt nicht zu unserer Erfahrung. Aber es gibt auch dies: Ein alter Kirchbaum blüht in unserem Garten. Seine weiße Blütenpracht leuchtet gerade jetzt zu Ostern in strahlendem Weiß. Martin Luther hat über den Kirschbaum einmal eine Predigt über die Auferstehung gehalten.
Willst du sehen, wie durch Gottes Wirken Leben aus dem Tode kommt, fragt er, dann geh zum Kirschbaum. Nimm dir an Weihnachten ein Zweiglein, so findest du am ganzen Baum kein grünes Blättchen, keinen Saft, noch Leben. Sondern nur einen dürren kahlen Baum wie totes Holz. Kommst du aber zu Ostern wieder, so beginnt der Kirschbaum wieder lebendig zu werden. Das Holz ist voller Saft und die Zweige gewinnen kleine Augen und Koten, aus denen werden kleinen Sträuchlein. Die tun sich auf, und aus ihnen kommen weiße Blümlein, daraus erwachsen dann kleine Stiele, und aus jenen kommt ein Kern, daraus wird die Frucht, die Kirsche. Ist das nicht ein Wunder vor unseren Augen, das sogar Jahr um Jahr geschieht?
Woher nun kommt aber der Kirschbaum - kommt er nicht selbst aus einem dürren toten Kern? Wenn die Vögel die Kirschen auf dem Baum abfressen und nur die Kerne stehen bleiben, so werden sie welk, fallen herab und werden in den Garten gestreut. Ohne es zu achten, geht man mit Füßen darüber. Nach einem Jahr aber ist aus dem Kern ein Bäumlein geschossen. Das wird von Jahr zu Jahr größer, so dass es nach Jahren ein großer Baum ist und statt eines harten, fast toten Kerns, aus dem es gewachsen ist, viele Tausend schöne Kirschen trägt. Was Gott anbaut, sät, pflanzt, das ist unverloren. Darum tue die Augen auf und sieh den Kirschbaum an, der wird dir predigen von der Auferstehung der Toten und dich lehren, wie das Leben aus dem Tode kommt. Ich wünsche allen ein Frohes Osterfest!
Frank Foerster, Pastor