Pferde pflegen die Naturweide

Einsatz für die Natur leisteten die NABU-Helfer bei der Pflanzaktion auch bei kräftigem kalten Winterwind am Rodelberg. (Foto: R. Stankewitz)
 
Der Bodenaushub für das Flachgewässer ist mit Maschineneinsatz eingeebnet worden. (Foto: R. Stankewitz)

Bingo-Umweltstiftung fördert Acker-Renaturierung

Krähenwinkel. Das NABU-Projekt Naturweide am Trentelgraben, südlich des Stucken-Mühlen-Wegs, findet nun seine Fortsetzung für den Biotopverbund Wietzeaue. Östlich des Rodelbergs am Stucken-Mühlen-Weg hat der NABU mit Unterstützung der Region und der "DHL Freight GmbH – Euronet Hannover" eine 1,3 Hektar große landwirtschaftliche Fläche gekauft, die ebenfalls eine sogenannte Naturweide werden soll. Die niedersächsische Bingo-Umweltstiftung gibt 38.800 Euro dazu, um die frühere Ackerfläche zu renaturieren. Damit das gelingt, sind bereits umfangreiche Arbeiten durchgeführt worden. So wurde unter anderem der Mutterboden abgetragen und auf einen nördlich an den Rodelberg angrenzenden Acker verteilt. Auf Teilen des Grundstücks werden standortgerechte Gräser und Kräuter angelegt. 20 Prozent der Fläche bleiben einheimischen Arten überlassen, die sich auf natürliche Weise aussäen. Am Rand sollen Hecken und Wildobstbäume mit kleineren Lücken als Sicht- und Eindringschutz sowie als Nahrungsgrundlage für Insekten dienen. Wegen des hohen Wildbestands werden die Pflanzen zeitweise durch einen Wildschutzzaun geschützt. Ein 200 Quadratmeter großes Kleingewässer mit großem Flachwasser-Bereich bietet Kreuzkröten und Laubfröschen neue Territorien. Daneben werden Bodenbrüter wie Kiebitz, Schwarzkehlchen und Wiesenpieper sowie in den Hecken Neuntöter, Rebhuhn und weitere Kleinvögel erwartet.
„Wir erwarten eine Mischung von feuchtem Grünland im Umfeld des Kleingewässers und die Entwicklung von mesophilem (mäßig feuchtem) Grünland trockener Standorte auf der restlichen Fläche. Möglicherweise entwickelt sich auch Sandmagerrasen“, sagt Ricky Stankewitz vom NABU-Langenhagen. „Die Maßnahme stärkt insbesondere den Arten- und Naturschutz, da sie viele ganzheitliche Komponenten miteinander verbindet“, begründet Karsten Behr, Geschäftsführer der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung, die Förderung.

Das ECHO sprach mit Ricky Stankewitz über den Verlauf der Maßnahme. Hier das Interview.

ECHO: Herr Stankewitz, könnten Sie mir bitte Informationen zum aktuellen Stand geben? Vielen Spaziergängern fällt die Veränderung am östlichen Rand des Rodelbergs am Stucken-Mühlen-Weg auf.


Ricky Stankewitz: Aktuell sind die Landschaftsbauarbeiten abgeschlossen und die NABU-Aktiven sind dabei die Hecken zu pflanzen.

ECHO: Was ist bereits gemacht worden?

Ricky Stankewitz: Der Mutterboden wurde flächendeckend abgetragen und auf den nördlich an den Rodelberg angrenzenden Acker verbracht. Der Aushub aus dem Kleingewässer ist auf der Projekt-Fläche verteilt worden. Zum Schutz der Hecken gegen Wildverbiss wurde ein Wildschutzzaun aufgebaut, der nach sieben bis zehn Jahren entfernt wird. Just haben zwölf NABU-Aktive, darunter fünf Jugendliche der NAJU 355 Wildrosen gepflanzt.

ECHO: Das war noch nicht alles. Die Pflanzaktion ging noch weiter?

Ricky Stankewitz: Mit Helfern wurden noch 500 Heckenpflanzen in den Boden gesetzt. Ein weiterer Pflanzeinsatz wird dann im neuen Jahr folgen. Nachdem dann Tausend Hecken und Wildobstbäume gepflanzt sein werden, wird im Frühjahr die Grünlandsaatmischung eingesät. Für diese erfolgen dann im Jahr 2016 noch ein bis zwei Pflegeschnitte. Ab 2017 ist es geplant, die Fläche mit Pferden zu beweiden. Die Pflege des Gewässers erfolgt ebenfalls über Beweidung mit Pferden, wobei hier die Tiere erst ab Mitte September an das Wasser gelassen werden, um die Entwicklungsformen von Amphibien (Laich/Larven) zu schützen.

ECHO: Was sollten Spaziergänger, Radler, Autofahrer beachten?

Ricky Stankewitz: Wer einen Blick auf die Fläche werfen möchte kann das sehr schön vom Rodelberg aus tun. Langfristig erwarten wir Wanderbewegungen von Amphibien zu und von den bereits vorhandenen Kleingewässern auf den Weideflächen von unserem Vorstandsmitglied Carsten Engelke. Die Tiere müssen dafür den Stucken-Mühlen-Weg überqueren. Autofahrer sollten dann Rücksicht auf wandernde Tiere und NABU-Helfer während der Wanderung nehmen.

ECHO: Wie viele NABU-Mitglieder sind im Projekt-Team?

Ricky Stankewitz: Im Projektteam sind wir zu fünft. Wir haben einen Arbeitskreis gegründet, in dem die ehrenamtlich aktiven Experten Carsten Engelke (Flächenpflege/Beweidung), Lothar Grosser (Landschaftsplanung/Anträge), Gunter Halle (kaufmännische Beratung), Uwe Schmida (Landschaftsplanung, Ausschreibung und Umsetzung) und ich selbst (Koordination/Ansprechpartner Behörden und Fördermittelgeber) mitgearbeitet haben.

ECHO: Wie viele Stunden wurden investiert?

Ricky Stankewitz: Bis zur vollständigen Umsetzung werden wir rund 650 Stunden für das Projekt investiert haben. Abschließend noch ein paar beeindruckende Zahlen zum finanziellen Volumen des Projektes: Insgesamt wird das Projekt etwas mehr als 100.000 Euro nach Umsetzung gekostet haben. Der Förderanteil beträgt dabei mehr als 84.000 Euro, was verdeutlicht, dass für den NABU-Langenhagen die Umsetzung eines solchen Projektes nur dank der finanziellen Unterstützung der Niedersächsichen Bingo Umweltstiftung, der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover und der DHL Freight GmbH – Euronet Hannover möglich ist. Der Eigenanteil von knapp 16.000 Euro entspricht der umgerechneten ehrenamtlich erbrachten Arbeitsleistung (knapp 12.000,- Euro für rund 650 Stunden) sowie einem baren Anteil von gut 4.000 Euro, den wir dank der Unterstützung unserer Mitglieder tragen können. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken!