Pferdestärken in der Region

Sarah Algotsson-Ostholt präsentierte sich in Bestform.Foto: G. Blasig
 
Therapeutisches Reiten hilft gegen Verkrampfungen.Foto: G. Gosewisch

Vielseitigkeits-Turnier in Twenge mit Rahmen-Programm der Stadt Langenhagen

Kaltenweide (gg). Traditionell richtet der Hof Münkel sein Vielseitigkeitsturnier im September aus. Die 26. Auflage in diesem Jahr lockte deutsche Kaderreiter an den Start, die schon fast auf dem Weg zu den Weltreiterspielen in Kentucky waren. Über das Projekt Pferdestärken der Stadt Langenhagen war das Rahmenprogramm organisiert. Besucherandrang bescherte die Vernetzung mit dem Regionsentdeckertages.
In der internationalen Vielseitigkeitsprüfung ritten die deutschen Kaderreiter, nominiert für die Weltreiterspiele in Kentucky, nach sehr guten Platzierungen in der Teilprüfung Dressur, die ersten Plätze der Gesamtwertung unter sich aus und erfüllten die Erwartungen des beobachtenden Bundestrainers Hans Melzer. Kai Rüder aus Blieschendorf wurde mit Saaten-Unions Charlie Wel zweiter vor Andreas Dibowski aus Egestorf mit Mighty Magic Dritter. Frank Ostholt aus Warendorf belegte mit Sir Medicott Platz 4.
Nur einer Dame, der Frau von Frank Ostholt, gaben sie den Vorzug. Die für Schweden startende Sarah Algotsson-Ostholt präsentierte ihre Stute Wega, schwedisches Warmblut, in Bestform. Das Paar führte schon nach der Dressur, bewies Nerven bei der Teilprüfung Springen ohne Abwurf und war auch schnellste ohne Fehler im Geländeteil der internationalen Vielseitigkeitsprüfung auf zwei Sterne-Niveau. Tolle Leistung in der Elite-Konkurrenz zeigte Gastgeberin auf dem Hof Münkel Christine Münkel. Sie belegte mit Negativ einen hervorragenden neunten Platz unter 61 Startern, von denen 53 das Ziel des Geländekurses erreichten.
Unter den Junioren und jungen Reitern siegte in der zweiten Abteilung des CIC* Christin Tidow (RF Stall Tidow) mit Neuburg vor Leonie Kuhlmann (RC Harbarnsen) mit Cascora und Jan Frederic Buhr (RSG Flinten) mit April Moonlight.
In der ersten Abteilung des CIC* für die Altersklasse Reiter und Senioren siegte Beeke Kaack (RSG Schmalensee) mit Sinjang vor Sara Algotsson Ostholt mit Mrs. Medicott auf Platz 2 und Alfred Bierlein (PF Auerbach) mit dem Trakehner Indurain auf Platz 3. Catalina Münkel (Hof Münkel) belegte mit Bonny M Platz 14 bei 79 Startern.
Als Station des Regionsentdeckertages erlebte das Vielseitigkeitsturnier in Twenge eine deutliche Steigerung der Besucherzahlen. Freier Eintritt und Bus-Transfer vom S-Bahnhof Kaltenweide boten Anreize zum Reinschnuppern in die Welt des großen Sports. Insider wissen um die besonderen Gesetze an der Strecke. Das Gelände um die drei Kilometer lange Geländestrecke mit den festen Hindernissen ist für Besucher frei zugänglich, Streckenposten sichern das freie Geläuf für Pferd und Reiter. Trillerpfeifen und Absperrbänder warnen, wenn im Minutentakt der nächste Starter vorbei galoppiert. Hautnah erleben die Besucher so die beeindruckende Kraft und Dynamik an den Sprüngen. Ihre liebe Mühe hatten die Streckenposten mit der Unaufmerksamkeit der vielen „ungeübten“ Zuschauer, die diese Weisungen nicht kannten. Verkehrschaos gab es leider auf den Zufahrtswegen zur Veranstaltung durch unerlaubtes Parken am Wegrand, trotzdem ausreichend Parkraum und auch Parklotsen zur Verfügung standen.
Langenhagen wird als Pferdestadt kaum wahrgenommen, obwohl in Langenhagen rund 1.000 Pferde stehen, die damit auch von volkswirtschaftlicher Bedeutung sind und etwa 250 Menschen Arbeit bieten. Das ist der Arbeitsansatz des Projekts Pferdestärken Langenhagen. Galopprennbahn Neue Bult, Polo, Vielseitigkeitsreiterei, Reit-, Fahr- und Voltigiervereine, namhafte Züchter und Trainer und der weltweit bekannte Sattelhersteller Passier & Sohn sollen mit ihren Aktivitäten mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekommen.
Das Profil Langenhagens soll nicht nur durch die dynamischen Industrie- und Gewerbegebiete, die hervorragende Verkehrsanbindung und den Flughafen geprägt werden, sondern auch durch die Tatsache, dass Langenhagen eine Pferdestadt ist. Seit 2009 beteiligt sich Langenhagen an einem Projekt der Europäischen Union, das den ländlichen Raum bekannter machen soll. Gemeinsam mit zwölf europäischen Partnern werden im Rahmen des Projektes Vital Rural Area, lebendiger ländlicher Raum, bis Mitte 2013 Mittel und Wege zur regionalen Entwicklung und Profilierung erarbeitet. Ziel ist es, die Lebensqualität in Langenhagen und die Entwicklung des Tagestourismus zu fördern. Pferdestärken Langenhagen setzt auf die einladende Kraft von Pferd, Natur, Kultur und Genuss.
Projektleiterin Regine von der Haar nutzte das Turnier in Twenge, um die Inhalte des Projekts vorzustellen. Viel Information gab es für Besucher im Ausstellungsstand, der in der Zeltreihe zu finden war, die von der Stadt Langenhagen realisiert wurde.
Mit dem Turnier in Twenge ist auch der Startschuss für die Wildwochen gefallen, ebenfalls eine Initiative aus dem Projekt Pferdestärken Langenhagen. Die Wildwochen werden vom Engagement der Langenhagener Gastronomen getragen. Ein kulinarischer Kalender führt bis Ende Oktober ein entsprechendes Programm, das zum Genuss der regionalen Küche führt.
Der Verein Therapeutisches Reiten für Hannover stellte am Rand des Turniergeländes seine Arbeit vor. Auf einem Spiel-Pfad konnten Kinder vom Pferderücken aus Geschicklichkeitsaufgaben bewältigen. Teilnehmer an den Therapien und Übungseinheiten sind behinderte oder von der Behinderung bedrohte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihnen wird über die dreidimensionale Bewegung des Pferdes im Schritt eine eigene Körperwahrnehmung ermöglicht, Körperstreckung wird möglich und Verkrampfungen gelöst. Physiotherapeuten und Pädagoginnen führen das therapeutische Reiten mit den sieben speziell ausgebildeten Pferden durch. Karen Heinrich leitet die Einrichtung seit 32 Jahren, sie ist Beauftrage für das Therapeutische Reiten im Pferdesportverband der Region Hannover. Die Einrichtung in Twenge ist eine anerkannte Einrichtung des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten.