Pfingsten – eine Einladung

Mir fallen Menschen ein, die deprimiert sind, die Angst haben, sich verstecken, sich zurückziehen und keinen Weg sehen.
Menschen, wie die Jünger Jesu damals, die sich aus Angst eingeschlossen haben. Und ich denke an das Pfingstfest damals, diese Aufbruchstimmung und Zuversicht, dieses vertrauensvolle und hoffnungsfrohe Auftreten der Jünger damals.
Schnell bin ich dann wieder im Hier und Heute. Bei den Sorgen und Problemen, die der Alltag mit sich bringt. Bei den Konflikten und Konfrontationen, der Gewalt und Lieblosigkeiten, dem Hass und der Rücksichtslosigkeit in den vielen Auseinandersetzungen. Bei der Angst, bei Verdächtigungen und vorschnellen Vermutungen, bei dem fehlenden Mut zur Aktion. Bei mangelnder Bereitschaft vertraute Bahnen zu verlassen und neue noch unbekannte Wege zu gehen und erschliessen.
Stellt sich da nicht die Frage: Was bedeutet in dieser Situation eigentlich Pfingsten? Was feiern wir hier? Welche Konsequenzen hat Pfingsten für mein, für unser Leben?
Schauen wir noch einmal auf die Jünger damals. Es gab offensichtlich etwas, was sie aus ihrer Angst und Blockade löste, was ihnen die Angst nahm und Ihnen Kraft und Mut gab, Mauern zu durchbrechen. Ich glaube sie haben erkannt, daß nicht alles aussichtslos ist, daß sie nicht alleine stehen und egal was sie auch anpacken, jemand bei ihnen ist und sie begleitet.
Wäre es nicht schön, wenn wir auch unter unseren heutigen Lebensbe-dingungen von solchen Erfahrungen zehren könnten? Wir erhielten einen langen Atem für komplizierte und schwierige Wege, für Durststrecken und Trampelpfade, für Schuldverstrickungen und Versöhnungen. Das was die Jünger damals begeistert hat, war die Zusage des Geistes Gottes. Dieser Geist ist auch uns zugesagt. Wenn wir das ernst nehmen und uns davon leiten lassen, dann geht es hier nicht um Spuk und Spinnerei, dann werden wir tatsächlich feststellen, daß sich alle Menschen verstehen können. Auch an uns wird dann in diesem Geist die Sprache der Liebe erfahrbar. Wir erfahren und tragen dann selbst dazu bei, daß diese Welt angstfreier, liebevoller und gerechter wird.
Pfingsten – eine Einladung an uns, nicht stehen zu bleiben, aufzubrechen und neu anzufangen, kraftvoll und mutig den Ängsten und Problemen entgegenzutreten.


Klaus – Dieter Tischler, Pfarrer, Pastor