Pflanzerde wird zur Ideologie

In der Gemeinschaftsgärtnerei an der Straße Im Blanken Moor ist vielfältige Kulturtechnik wichtig. Mona Gharib (vorn) bot den Zuhörern eine einseitige Darstellung zur Terra Preta. (Foto: G. Gosewisch)

Alternativlose BUND-Empfehlungen in der Gemeinschaftsgärtnerei

Krähenwinkel (gg). Mit großen BUND-Botschaften gespickt präsentierte die Gemeinschaftsgärtnerei „Acker Pella“ das Projekt „Terra Preta – Gärtnern mit Pflanzenkohle“ im Rahmen eines Schautages vor einigen interessierten Besuchern. Der bodenständige Ansatz ging, paradoxer Weise, dabei verloren.
In glatter Werbemanier gestaltete BUND-Projekt-Betreuerin Mona Gharib das Programm. Unter dem Suggestiv-Motto „Wollen Sie prächtiges Gemüse ernten“ wurde der Einsatz von Pflanzenkohle als Wunderwaffe gegen die tabuisierten künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmitteln präsentiert. Nachhaltig und natürlich einfach sei das Gärtnern mit dem Wissen der Inkas, das mit der Terra Preta (schwarze Erde mit Pflanzenkohle) von Archäologen im Amazonas-Becken wiederentdeckt worden sei. Um ein Vielfaches besser im Wuchs seien die Nutzpflanzen dort. Zum Beweis wurden Fotos von prächtigem Mais, kultiviert auf Terra Preta, gezeigt und im Vergleich die mickrige, kümmerliche Variante auf konventionellem Boden. Nachteile der Pflanzenkohle wurden im Vorgespräch vehement verneint, etwa in Bezug auf die Nährstoff-Auswaschung und die entsprechende Grundwasserbelastung. Statt dessen beschrieb Mona Gharib per Fachbegriff-Feuerwerk die Vorteile der Pflanzenkohle, sprach beispielsweise von Kationen-Austausch als sei dies der einzig wichtige Parameter für die Nährstoffverfügbarkeit und den polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die es per Pyrolyse zu spalten gilt – als seien diese die einzig wichtigen Umweltgifte. Dabei schien es ihr gleichgültig zu sein, ob die überschaubare Zahl der Zuhörer mit diesen Begriffen etwas anfangen konnte oder nicht. Ihrem teilweise wissenschaftlichen Ansatz folgte in gänzlich unwissenschaftlicher Art eine unumwundene Kaufempfehlung mit BUND-tauglichen Bezugsquellen.
Die Dimensionen vertiefte der Geologe Harm Glashoff (BUND) als Koreferent, der mit Sätzen wie „Um jedes Düngekorn werden die Mikroorganismen tödlich verletzt“ oder „Nur sechs Prozent der Landmasse auf unserem Planeten hat fruchtbare Erde, die muss uns etwas wert sein!“ ein dramatisches Endzeit-Szenario zeichnete.
Um so mutiger wirkte da das praxisnahe Nachfragen der Zuhörer. Nach den Preisen der Terra-Preta-Produkte im Handel hatten sie sich schon umgeschaut: „Das wird teuer“, so der Tenor.