Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent

Stadt muss Straßenausbau wieder absagen

Langenhagen ​Die Stadt zieht bei gleich drei bedeutsamen Straßenbau-Projekten die Notbremse: Die mit großer Öffentlichkeitsbeteiligung geplante Verkehrsberuhigung der Friedrich-Ebert-Straße samt Kanal-Sanierung, die vergleichbare Instandsetzung In den Kolkwiesen sowie der Endausbau der südlichen Bohlwiese werden gestoppt und zum Teil um mehrere Jahre verschoben. Der Grund ist so klar wie unveränderbar: „Wir haben kein Bauunternehmen gewinnen können, das auch nur annähernd unsere Kostenschätzung übernehmen konnte“, sagte Verkehrsplanerin Anette Mecke jetzt dieser Zeitung. Bei Preissteigerungen zwischen 30 und 60 Prozent bliebe der Stadt jetzt keine andere Wahl, als die Projekte zu stoppen.
Langenhagen wird, wie derzeit andere Städte auch, von einer Welle erfasst: „Die Auftragslage für Straßenbaufirmen war in den vergangenen Jahren so schlecht, dass viele Firmen Personal abgebaut haben“, sagte Mecke. Diese Dezimierung treffe jetzt auf einen Auftragsboom, den die verbliebenen Unternehmen kaum abarbeiten können. Dies in Kombination mit dem aktuellen Fachkräftemangel. „Das ist aber ein Peak, der sich wieder beruhigen wird“, ergänzt Baudezernent Carsten Hettwer. Denn wie Langenhagen können auch andere Städte derzeit mangels Vertragspartner keine Aufträge vergeben. In der Zwischenzeit, so die Hoffnung der Stadt, werde sich auch die Preis-Entwicklung wieder beruhigen.
Bohlwiese muss auf Ausbau drei Jahre warten
Aktuell aber ist daran nicht zu denken. Für den Endausbau der südlichen Bohlwiese in Schulenburg konnte trotz sogar zweimaliger Ausschreibung keine Firma gefunden werden. „Wir hatten nur ein einziges Angebot und dies lag 30 Prozent über den von uns einkalkulierten Plankosten“, betonte Mecke. Der Endausbau werde nun um rund „drei bis vier Jahre“ verschoben und verknüpft mit dem Straßenausbau nach Fertigstellung des neuen Baugebietes Dorfstraße.
In den Kolkwiesen lagen die Kosten um 50 Prozent über Plan, bei dem Projekt der Friedrich-Ebert-Straße waren es sogar 60Prozent. Die dort geplante Verkehrsberuhigung ist für Mecke besonders heikel, basiert sie doch auf der umfangreichen Bürgerbeteiligung im Sanierungsgebiet Wiesenau. Die mit den Anwohnern der Friedrich-Ebert-Straße erarbeitete Verkehrsberuhigung war vom Rat vor fast genau einem Jahr einhellig mitgetragen worden und galt als Paradebeispiel für eine gelungene Stadt- und Verkehrsplanung. Überdies sollte sie mit Landes- und Bundeszuschüssen finanziert werden. „Die Zuschüsse dürfen aber 200 Euro pro Quadratmeter nicht übersteigen“, erläuterte Hettwer. Die Differenz hätte allein aus städtischer Kasse nicht fließen können. „Das überstieg alle Planungen bei weitem.“ Durch die Verschiebung der Friedrich-Ebert-Straße verzögerten sich auch alle folgenden Projekte in Wiesenau. „Wir müssen den Sonnenweg entsprechend später umsetzen“, sagt Mecke.
Stadt will Auftragsvergabe neu gestalten
Hettwer führt die enorme Preisexplosion auch auf die späte Genehmigung des Haushaltes zurück. „Wir konnten damit erst sehr spät in der Saison ausschreiben, die Auftragsbücher der Unternehmen waren zu diesem Zeitpunkt schon sehr voll.“ Dies, so seine Hoffnungen, werde sich für 2019 nicht wiederholen. „Wir wollen versuchen, möglichst viele Projekte schon als Verpflichtungsermächtigung in den Haushalt aufzunehmen.“ Dies berechtigte die Stadt sehr viel früher zu einer Ausschreibung und einem Baustart unmittelbar nach Ende des Winters. „Zudem wollen wir mehrere Vorhaben zu größeren Aufträgen zusammenfassen“, dies, so Hettwer, liefere den Firmen gleich eine gute Auftragsbasis fürs ganze Jahr.
Gymnasiumsbau nicht mehr von Preis-Explosion betroffen
Nach Beobachtungen der Stadt nutzten einige Firmen den Auftragsboom der Städte bei gleichzeitigem Unternehmensmangel aus. „Da werden auch schon mal 60-prozentige Aufschläge als Versuchsballon gestartet“, beschreibt es Hettwer. Dies betreffe allerdings nur den sogenannten „Pflasterbau“. „Beim Autobahnbau dagegen unterbieten sich die Firmen in den Ausschreibungen derzeit mit aller Kraft.“ Beim Straßenbau dagegen probierten die Firmen nach oben, was irgend geht. So bleiben werde dies aber nicht, betont Hettwer. „Wir gehen davon aus, dass wir beim Baustart für das Gymnasium dieses nicht mehr erleben werden.“