Projekt Ausbildungslotsen: positive Stimmung in Langenhagen

Sind sich einig über den Erfolg der Ausbildungslotsen: Timo Heiken, neuer Schulleiter der IGS Langenhagen (von links), Birgit Mierau, Leiterin der Gutzmannschule, Peter Probosch-Breidenbroich vom Schulamt der Stadt Langenhagen, Barbara Schikowski, stellvertretender Schulleiterin der IGS Langenhagen, Bärbel Höltzen-Schoh, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit sowie Bildungsdezernent der Region Hannover, Ulf-Birger Franz.
 
Intensive Arbeit: Die Schülerinnen und Schüler Yoel (l.), Kristina (Mitte) und Tonja (rechts) werden intensiv von Silke Meyer, Ausbildungslotsin der IGS Langenhagen, und Rüdiger Reissmeier, Ausbildungslotse an der Gutzmannschule, beraten.

Verantwortliche ziehen nach einem Jahr eine Zwischenbilanz

Langenhagen. Was will ich nach der Schule machen? Wo finde ich eine Ausbildung, die zu mir passt? Wie soll ich mich bewerben? Die Entscheidung für einen Beruf und der Übergang dorthin ist für Schülerinnen und Schüler immer häufiger eine Herausforderung, die sie nicht ohne Hilfe bewältigen können. Seit Ende 2014 wurden in einem ersten Schritt sogenannte Ausbildungslotsen an 19 allgemeinbildenden Schulen in der Region Hannover eingesetzt. Sie unterstützen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen individuell auf ihrem Weg ins Berufsleben. Heute (3. Februar), ein gutes Jahr später, haben sich die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung mit den Akteurinnen und Akteuren aus den Schulen sowie den Ausbildungslotsinnen und -lotsen an einen Tisch gesetzt, um ein Zwischenfazit zu ziehen. Finanziert wurde das Projekt mit einem Volumen in Höhe von 1,5 Millionen Euro je zu 50 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit und der Region Hannover.
Ulf-Birger Franz, Bildungsdezernent der Region Hannover, betont die Notwendigkeit der Ausbildungslotsen, die zunächst bis Ende dieses Jahres eingesetzt werden. „Wir möchten das Angebot nicht nur fortsetzen, sondern in den kommenden Jahren auf weitere Schulen ausdehnen. Die Ausbildungslotsen begleiten Jugendliche kontinuierlich beim Übergang aus der Schule in die Ausbildung. Unser Ziel ist es, dass alle jungen Menschen direkt nach der Schule eine Ausbildung oder ein Studium aufnehmen können. Damit niemand auf der Strecke bleibt, ist diese Unterstützung dringend notwendig“, sagt Franz.
Bärbel Höltzen-Schoh, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hannover: „Den passenden Beruf zu finden ist eine große Herausforderung für Schüler, Eltern und Schule. Die Ausbildungslotsinnen und -lotsen leisten dabei Unterstützung. Sie arbeiten dabei eng mit den Berufsberatern und Berufsberaterinnen der Agentur für Arbeit zusammen.“ Die Agentur für Arbeit stelle beispielsweise fest, dass die Jugendlichen jetzt besser vorbereitet zu den Beratungsgesprächen kommen. „Unsere gemeinsame konzeptionelle Weiterentwicklung des Projekts wird die Ausbildungslotsen zukunftsfähig machen“, so Höltzen-Schoh weiter.
Auch Peter Probosch-Breidenbroich, Leiter der Abteilung ‚Schule, Sport, Kultur‘ der Stadt Langenhagen, begrüßt das Angebot: „Die Arbeit der Ausbildungslotsin an der IGS Langenhagen ist in jeder Hinsicht positiv. Die Schülerinnen und Schüler werden bei den für sie wichtigen Fragen der Ausbildungs- beziehungsweise Berufswahl wirksam unterstützt und auch für die Lehrkräfte ist die Arbeit der Ausbildungslotsin eine große Hilfe“, so Probosch-Breidenbroich. Die Stadt Langenhagen als Schulträgerin würde deshalb eine Ausweitung auf die anderen weiterführenden Schulen in Langenhagen begrüßen, „sofern sich dies im jeweils vorhandenen Raumbestand realisieren lässt“, so der Abteilungsleiter weiter.
Gastgeberin für den Termin war die IGS Langenhagen, die gemeinsam mit der Gutzmannschule, Förderschule der Region Hannover mit dem Schwerpunkt Sprache, Bilanz zog. Unsere Ausbildungslotsin ist das Beste, was uns, damit meine ich insbesondere unsere Schülerinnen und Schüler, passieren konnte. Die Erwartungen hat sie mehr als erfüllt: wir schätzen die direkte und individuelle Beratung und Begleitung unserer Schülerinnen und Schüler. Frau Meyer stellt eine Unterstützung dar, die wir uns im Vorfeld mit dieser Intensität nicht haben vorstellen können“, sagt Barbara Schikowski, stellvertretende Schulleiterin der IGS Langenhagen.
Andere, aber ebenso gute Erfahrungen spiegeln sich auch an der Gutzmannschule wider. Birgit Mierau, Schulleiterin: „Eine für uns sehr wichtige Aussage bezüglich der wunderbaren Arbeit der Ausbildungslotsen ist, dass wir die Inklusion leben, denn mit einer guten Bewerbungsstrategie funktioniert die Inklusion auch im Bereich der Berufsorientierung.“ Verbesserungspotenzial sehe Mierau in der zeitlichen Thematik. „Unser Ausbildungslotse sollte mit einer ganzen Stelle für unsere Schule zur Verfügung stehen, nicht nur mit einer derzeit halben Stelle“, so der Wunsch der Schulleiterin.
Was sagen die Ausbildungslotsinnen und -lotsen selbst dazu? Silke Meyer ist Ausbildungslotsin an der IGS Langenhagen und berichtet von ihrer täglichen Arbeit: „Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, den Schülern und Schülerinnen individuelle Wege aufzuzeigen, die sie in Bezug auf ihre berufliche Zukunft beschreiten können und sie nach ihrer Wahl zu bestärken und zu ermächtigen, sich der Herausforderung, die Schule zu verlassen und ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen, zu stellen, die Herausforderung positiv zu bewerten und zu bewältigen.“
Auch Rüdiger Reissmeier kennt die Ängste, Wünsche und Erwartungen der Schülerinnen und Schüler, die zu ihm kommen. „Ich entwickele mit ihnen eine berufliche Perspektive unter Berücksichtigung der persönlichen Stärken“, sagt der Ausbildungslotse, der an der Gutzmannschule arbeitet. Für ihn ist die Vermittlung zwischen den Schülerinnen und Schülern der Förderschule und den Betrieben besonders wichtig. „Durch Praktika werden die Ausbildungswünsche überprüft, eventuelle Vorbehalte der Betriebe abgebaut und häufig Ausbildungsverhältnisse angebahnt.“
Yoel, 16 Jahre alt, hat gemeinsam mit Silke Meyer, Ausbildungslotsin der IGS Langenhagen, nach möglichen Zukunftswegen gesucht. Und einen gefunden: „Ich konnte mir den Beruf als Systemelektroniker gut vorstellen. Aber um herauszufinden, ob das tatsächlich etwas für mich ist, habe ich mir ein Praktikum besorgt“, sagt der 16-jährige Schüler der IGS Langenhagen. Das habe gut funktioniert, einige Bewerbungen zur Ausbildung seien gefolgt. „Jetzt fange ich meine Ausbildung als Systemelektroniker am 1. August dieses Jahres an“, so Yoel.
Ganz so einfach war es für Kristina nicht. Die 16-Jährige Schülerin der Gutzmannschule hat drei Praktika hintereinander absolviert: „Erst als Kosmetikerin, dann als Hotelfachfrau. Das war noch nicht so hundert prozentig das, was ich machen will, war aber nahe dran.“ Dann folgte noch ein Praktikum als Köchin – und damit hatte Kristina ihren Traumjob gefunden. Nach einigen Gesprächen mit Rüdiger Reissmeier, Ausbildungslotse an der Förderschule in Langenhagen, hat Kristina sich dann als Köchin beworben – und wurde genommen; „im Maritim Airport Hotel in Langenhagen“, sagt die 16-Jährige stolz.