Protest gegen Unterkunft an der Grenzheide

Reges Interesse gab es beim Informationsabend zur neuen Flüchtlingsunterkunft an der Grenzheide; durchgeführt in der vergangenen Woche in der Aula der Hermann-Löns-Schule. (Foto: D. Lange)

Anwohner wehren sich gegen Pläne der Stadtverwaltung

Langenhagen (dl). Das Klima ist rauer geworden, nicht nur in Langenhagen. Als Kommunalpolitiker, aber auch als Bürgermeister und Chef der Verwaltung braucht es schon ein ziemlich dickes Fell in den oft hitzig und emotional geführten Auseinandersetzungen mit den Anwohnern, in deren Viertel eine Flüchtlingsunterkunft errichtet werden soll. Im jüngsten Beispiel geht es um Unterkünfte in modularer Bauweise für 60 Flüchtlinge in unmittelbarer Nachbarschaft zum Friedhof Grenzheide. Dagegen machten jetzt die Anwohner der Grenzheide einschließlich der Straßen Schnittenhorn, Bauernwinkel und Habereck mobil, denn sie bezweifeln die grundsätzliche Eignung des geplanten Standortes. Eine Parallele übrigens in Bezug auf die 59 anderen von der Stadt geprüften Standorte. Um sich gegen die Pläne der Stadt zu wehren, gründeten die Anwohner eine Interessengemeinschaft, die von Rechtsanwalt Daniel Kühl vertreten wird. Ihren Widerstand begründen sie unter anderem mit der Nähe zum Friedhof und zum nahe gelegenen Schießstand sowie einem starken Autoverkehr an der Grenzheide, verbunden mit einer unübersichtlichen Parkplatzsituation, insbesondere während der sommerlichen Badesaison am Wietzesee. Im Verlauf der Informationsveranstaltung zu diesem Thema, zu der etwa 130 Anwohner der Grenzheide in die Hermann-Löns-Schule kamen, stellten sich Bürgermeister Mirko Heuer und die Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch den Fragen der aufgebrachten Bürger. Dabei lassen die Vorgaben der Region Hannover den Kommunen nur wenig Handlungsspielraum, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Stadtverwaltung ihrerseits erst sehr kurzfristig darüber informiert wird, wieviele Flüchtlinge überhaupt kommen. Von dem ursprünglichen Plan, die Unterkünfte auch von der Region bauen zu lassen, hat sich die Stadtverwaltung inzwischen verabschiedet. Der Grund dafür ist die von der Region in das Spiel gebrachte, sogenannte Nachverdichtung in den Unterkünften. Danach sollen dort dann nicht mehr 68 Flüchtlinge untergebracht werden, sondern bis zu 90 Menschen. Etwas, was sowohl der Rat als auch die Verwaltung einmütig ablehnen, sodass die Stadt den Bau der Unterkünfte in Godshorn Am Moore, an der Grenzheide sowie an der Desbrocksriede in Schulenburg, nun selbst in die Hand nehmen wird. Betrieb ist voraussichtlich jeweils für die Dauer von fünf Jahren. Von dem Prinzip der dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge will die Stadtverwaltung nicht abweichen. Sollte sich das allerdings, auch aufgrund massiver Proteste der Anwohner, wider Erwarten nicht halten lassen, bliebe der Stadt, so Heuer, als Ultima Ratio nur die Belegung von Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäusern übrig. Bei der Prüfung der infrage kommenden Grundstücke für die Unterkünfte, 60 an der Zahl im ganzen Stadtgebiet, kommt es immer wieder zu Konflikten mit den jeweiligen Anwohnern. In ihren immergleichen Argumenten ist dann von massivem Wertverlust der Immobilien die Rede, von einer Verunstaltung des Viertels, verbunden mit Einschränkungen der Wohnqualität, Ängsten vor Belästigungen und zunehmender Kriminalität. Die Erfahrungen der Sozialarbeiter und ehrenamtlichen Helfer in den Flüchtlingsunterkünften zeichnen dagegen ein ganz anderes Bild. „Wir erleben hier keine Menschen, die andere belästigen wollen“, so die feste Überzeugung einer hauptamtlichen Sozialarbeiterin in einer der Unterkünfte. Eine andere Stimme mahnte angesichts der Flüchtlingssituation in Griechenland zur Vernunft: „Irgendwo müssen sie doch hin.“ Monika Gotzes-Karrasch empfahl den Bürgern, sich einmal mit den Sozialarbeitern in den Unterkünften zu unterhalten. Missverständnisse und etwaige Ängste ließen sich auf diese Weise schon im Vorfeld ausräumen. „Aber natürlich können wir für niemanden unsere Hand ins Feuer legen, ob Flüchtling oder nicht“, sagte sie. Der Sozialberatungsdienst der Stadt sowie Mitglieder des Integrationsbeirats sind in den Unterkünften vor Ort. Sie können Konflikte schlichten, sie reden mit den Nachbarn, geben Deutschunterricht, beschäftigen sich mit den Kindern und vieles mehr.