Pâtissière oder doch lieber Chemikerin?

Sophie belegt kleine Törtchen mit gefrorenen Himbeeren. Foto: J. Wert
 
Birte schnuppert während ihres Praktikums in die Arbeit von Chemikern hinein. Foto: J. Wert

Gymnasiastinnen schnuppern in verschiedene Berufe hinein

Langenhagen (jw). Was ist eine Pâtisserie? Oder was macht ein Chemiker? Auf diese Fragen können Sophie Menzel und Birte Oberbossel nun wie aus der Pistole geschossen antworten. Die beiden Schülerinnen gehen in die zehnte Klasse des Gymnasiums und absolvierten kürzlich ihr Schulbetriebspraktikum. In den vergangenen zwei Wochen konnten sie in einen Betrieb hineinschnuppern und einen Einblick in das Berufsleben erhaschen.
Die 15-jährige Sophie entschied sich für ein Praktikum in der Pâtisserie „Elysee“ am Vahrenheider Markt. Der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie kneten oder backen, er bezeichnet eine Konditorei, in der vor allem Süßspeisen, wie beispielsweise Pralinen, hergestellt werden.
Wird die Tür zum Verkaufsraum geöffnet, liegt sofort ein leichter Duft nach Marzipan und anderen Leckereien in der Luft. Überall stehen kleine runde Tische, an denen schon zur frühen Morgenstunde Frauen und Männer sitzen, die Zeitung oder ein Buch lesen und frühstücken. Hinter der Theke stehen große Gläser mit verführerisch aussehenden Keksen und wunderschön dekorierte Torten. Sofort kommt ein Gefühl wie in einem kleinen Pariser Café auf.
In dem Moment tritt Sophie lächelnd aus einer Tür im hinteren Teil des Raumes. Sie trägt aus Hygienegründen eine Haube für die Haare und einen weißen Kittel voller Schokoladenflecken, die ein Anzeichen ihrer harten Arbeit sind. „Das Praktikum macht unglaublichen Spaß“, sagt sie lachend, „doch es ist auch anstrengend.“
Ihr Arbeitstag beginnt um 7 Uhr mit dem Putzen aller Räume, denn die Hygiene spielt in einem solchen Lebensmittelbetrieb eine große Rolle. Danach erledigt sie verschiedene Aufgaben, immer dort, wo gerade jemand gebraucht wird. Mal müssen Törtchen mit Obst belegt werden, ein anderes Mal fehlt noch die Cremefüllung in den Förmchen, oder die Zutaten für den Kuchenteig müssen abgewogen und gemischt werden. Dabei darf sie auch nie vergessen, die Spülmaschine auszuräumen.
„Als Pâtissier ist man ständig auf den Beinen und es gibt immer was zu tun, aber es ist auch aufregend, weil hier viele nette Leute arbeiten. Ich wollte keinen Beruf, in dem man den ganzen Tag im Büro sitzt, sondern etwas Abwechslungsreiches und Kreatives“, erklärt die Gymnasiastin, während sie Himbeeren aus einer riesigen Kühltruhe holt. Dann zeigt sie auf eine noch größere graue Stahltür: „Dahinter ist der richtige Kühlraum. Hier lagern wir nur etwas Obst.“ Im Anschluss wird jede einzelne Beere von ihr sorgfältig und mit der Präzision einer Maschine auf den Törtchen verteilt. Die fertigen Köstlichkeiten sehen zum Anbeißen aus.
In der Backstube geht es hektisch zu: Mitarbeiter schieben Ladungen mit süßen Pralinen umher, andere suchen das Mehl oder bestreichen Torten mit Marmelade, während eine Maschine ununterbrochen Schokolade umrührt. Davon bekommen die Kunden jedoch nichts mit. Sie nippen entspannt an ihrem Kaffee und genießen eine Auszeit. „Ich habe mir den Beruf davor ganz anders vorgestellt, und ich bin froh, dass ich sehen konnte, wie die Arbeit hier wirklich ist“, sagt Sophie.
Ganz anders als Sophie hat sich ihre gleichaltrige Mitschülerin für den Betrieb ContiTech in Vahrenwald entschieden. Bei dem Autoreifen-Konzern wollte Birte mehr über die Forschung und Entwicklung des Gummis erfahren, da ihr der Chemieunterricht in der Schule großen Spaß bereitet. Obwohl sie weiß, dass das Gelände der Firma sehr groß ist, überraschen sie die gigantischen Ausmaße. Schon draußen stinkt es nach Gummi, und im Sekundentakt fahren Staplerfahrer mit schweren Ladungen durch den Hof. Sie verläuft sich in den Gängen und findet erst nach langem Suchen ihren zugeteilten Bereich. Dort angekommen muss sie ihre geliebten Skaterschuhe gegen Sicherheitsschuhe austauschen und bekommt für den Umgang mit den Maschinen Handschuhe und Maske, um ihre Gesundheit nicht zu gefährden. In der Forschungsabteilung analysieren die Chemiker gerissene Gummiproben um festzustellen, wodurch der Schaden entstanden ist. „Ich habe schon viele technische Geräte wie das REM, das Rasterelektronenmikroskop, kennengelernt. Doch leider darf ich hier nicht so viel selber machen, sondern kann meistens nur zuschauen.“
Beide Schülerinnen sind sich einig, dass sie während der zwei Wochen viele neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln konnten. Das Praktikum ermöglichte ihnen, sich ein Bild über ihren ausgewählten Beruf und die Arbeit im Betrieb zu machen, doch sie wünschten sich auch, es würde etwas länger dauern, um sich besser in den Arbeitsalltag einleben zu können. Die Entscheidung, ob sie diesen Beruf später vielleicht ihr Leben lang ausüben möchten, fällt ihnen nach dem Praktikum leichter.