„Putziger Wandel“

Marita Künnecke (links) hilft beim Deutschlernen im Nie´t Hus. (Foto: G. Gosewisch)

Deutsch für und von Flüchtlingen

Kaltenweide (gg). Wer im Zusammenhang mit dem Flüchtlingszuzug das viel benutzte Wort Chaos im Kopf hat, kann sich im Nie´t Hus beim Deutschlernen ein anderes Bild machen. Alles hat seine Ordnung. Es gibt für jeden Teilnehmer einen Ordner, darin sind Arbeitsblätter und Stichworte zu finden, die für die nächste Lernstunde die Marschrichtung vorgeben. „Dann brauchen wir nicht zu suchen und sparen Zeit“, sagt Jennifer Burghardt. Sie ist eine der rund zehn Ehrenamtlichen, die nach ihrem Job, im Feierabend, sitzen und erklären. Die Initiative dazu kam aus dem Verein "Bürger für Kaltenweide (BfK)". Verbunden ist die Gruppe nur über einen Gedanken. Der lautet „Helfen macht Sinn“. Auch Marita Künnecke, bekannt mit ihrem Lederladen an der Kananoher Straße, ist dabei. Sie sieht den Erfolg. Geduld sei angebracht, natürlich lerne sich Deutsch nicht im Nu, aber kleine Fortschritte seien ja auch schon was. Sie freut sich insbesondere über den „putzigen Wandel“, der sich unter ihren Schülern ergeben habe. Sie sagt: „Meine ersten Schüler sind jetzt schon so weit, dass sie die neuen Anfänger unterstützen können.“ Dolmetschen sei beim Kennenlernen und beim Erklären der ersten deutschen Worte sehr hilfreich. Pragmatisch wird natürlich auch mal fix das Smartphone genutzt, wenn eine Vokabel in Sudanesisch, Arabisch oder Farsi übersetzt werden muss. Doch in welchem Zusammenhang wird ein Wort benutzt? Warum ist beispielsweise ein Unterschied zwischen den Worten geben und angeben? Synonyme müssen her. Angeben, Prahlen, Protzen – das Smartphone zeigt keine Übersetzung an, diese Worte sind wohl zu umgangssprachlich. So liegt die „Tücke im Detail“, und überhaupt fängt bei Redensarten der Übersetzungsspaß erst an, so die Erfahrung in der Gruppe. Leicht und locker arbeiten sie voran. Marita Künnecke sagt: „Das geben uns unsere Schüler mit ihrer coolen Art vor. Mag sein, dass die teilweise vorgespielt ist, aber wir freuen uns, dass sie sich der Aufgabe stellen. Da soll nichts peinlich sein.“