Quergedacht

Danksagung für das Leben

"Draußen sind die Bäume schon bunt, die Tage werden kürzer, morgens ist es schon recht frisch; die Vögel sammeln sich auf den abgeernteten Feldern... Erntedank haben wir in den letzten Wochen gefeiert. Und während ich den Scharen von Krähen nachschaue, die laut krächzend ihre Runden um den Kirchturm in Krähenwinkel ziehen, kommt mir ein Wort in den Sinn: „Sie säen nicht, sie ernten nicht und unser himmlischer Vater ernährt sie doch." Matthäus und Lukas beziehen diesen Satz auf die Vögel und führen sie den Menschen als Vorbild an. Ich säe nicht, ich ernte nur und darf das alles noch genießen. Dank als Antwort auf das, was ich nicht geschaffen, getan oder gesät habe. Dank für alles, was mir geschenkt ist - umsonst, unverdient.
Was ist mir geschenkt? Mein Leben - ich darf auf dieser Erde leben. Ein paar Jahre, Jahrzehnte sind mir geschenkt, einfach so, zum Auskosten, zum Erfahren von Liebe und Geborgenheit, zu sehen die Güte und die Großzügigkeit Gottes.
Was ist mir geschenkt? Die Natur - der Himmel mit seinen sternenklaren Nächten und der Sonne, die warm auf meine Haut scheint, die Wolken, aus denen das Wasser zum Leben fällt. Das Meer mit seiner unendlichen Weite und die Berge mit dem Alpenglühen am Abend.
Was ist mir geschenkt? Die Menschen um mich herum -das Lachen und unbeschwerte Spiel der Kinder, die Freunde, die mich begleiten zu allen Zeiten, die Freundlichkeit derer, die mir zufällig begegnen.
Während mir das durch den Kopf geht, wächst der Dank in meinem Herzen an den, der allein dies alles gesät hat und mir schenkt - und Ihnen. Und der überdies uns alle mit seinem Segen begleitet. Ja, wir säen nicht, wir ernten nur und unsere Antwort sei nichts als Dank – jeden Tag wieder neu!"
Claus Venz, Pastor in der Matthias-Claudius-Gemeinde