Quergedacht

Dem Müll eine Abfuhr erteilen!

„Lasst uns von Tonne zu Tonne eilen - wir wollen dem Müll eine Abfuhr erteilen....", so reimte Heinz Ehrhardt. Er nannte es den „Chor der Müllabfuhr".
Schon früh am Morgen ist die Müllabfuhr unterwegs. Ein beruhigendes Gefühl, dass ihr Dienst regelmäßig klappt. In unserer Gesellschaft ist das ein sehr gut organisierter und differenzierter Prozess. Der Müll wird nicht mehr einfach unsortiert in die Tonne geworfen, wie ich es aus meiner Kindheit kenne. Heute wird im Hause vorsortiert. Es muss gesichtet und beurteilt werden; was ist was und wo gehört es hin?
Aussortieren ist regelmäßig nötig. Entsorgung nennt man das. Was für mich nicht mehr brauchbar ist, muss irgendwohin – Entsorgung: durch die blaue Tonne, die orangene Tonne; irgendwo hin schaffen, wo es keine Sorgen mehr macht. Dem Müll wird ein Platz angewiesen, an dem er umgewandelt oder sonstwie bleiben kann,
Manches was aussortiert wird, ist ja zumindest als Rohstoff noch interessant, kann also in etwas anderes umgewandelt, recycelt werden. Anderes wird der Natur zurück gegeben, aus der es eigentlich stammt - Stichwort: „Bio". Und was dafür nicht taugt, kommt in die grauen Säcke. Die Deutschen sind Weltmeister im Müllsortieren, so sagt man. Manche sollen sogar ihre Plastikabfälle in die Spülmaschine stecken, bevor sie im gelben Sack landen – damit es nicht so riecht.
Genau das ist nötig: sichten, bewerten, sortieren; - dem so nicht Brauchbaren einen Platz zuweisen - auch in ganz anderen Bereichen.
Mit der kommenden Karwoche begehen wir den Höhepunkt der Passionszeit. Es ist die Vorbereitung für das große Fest, das es zu Ostern zu feiern gilt. Diese Tage bis Ostern sind eine Chance, sich selber zu fragen: Was kann so bleiben, was muss in einen anderen Zustand umgewandelt werden, was muss unwiderruflich weg und raus? Was ist nicht in Ordnung mit mir, mit meinen Beziehungen, auch im Verhältnis zu mir selber und zu Gott und meinem Glauben? Ich kann dem „Müll" eine Abfuhr erteilen.
Die „Tonnen" dafür stehen bereit, in jedem Gottesdienst, in den Andachten und den Passionsmusiken, die in der Zeit bis Ostern in den Kirchenge­meinden stattfinden.
Warum das ganze? Damit es nicht „mieft" und irgendwann „zum Himmel stinkt". Wie lange das ganze? Ein Müllwerker sagte es so: „Wir fahren so lange, wie es nötig ist." Versuchen kann man es ja erstmal bis Ostern und dabei ernst machen mit der biblischen Empfehlung aus dem Jakobusbrief: „Legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen."
Claus Venz, Pastor in der Matthias-Claudius- Gemeinde