Quergedacht

Terror

Am Dienstagabend berichtete unsere Tochter, die in Hannover der Nähe des Stadions wohnt, von ihren Eindrücken. Überall Blaulicht, dauernd Sirenengeheul. Ein merkwürdiges Gefühl. Sie ist an dem Abend nicht mehr raus gegangen.
Während des Schulgottesdienstes am Buß- und Bettag machte sich eine Schülerin Sorgen wegen eines roten Koffers, der in der Kirche stand. Sie konnte ihn nicht einordnen. Ich konnte sie beruhigen, es war nur der Kabelkoffer – aber man kann sich vorstellen, was in ihrem Kopf vorging.
Ein syrisches Mädchen, 17 Jahre alt, die bei den Frühgebeten in Großburgwedel von ihren Erlebnissen berichtet hat, entschuldigte sich im Voraus dafür, dass sie eventuell etwas falsch macht, weil sie die Gesetze und Gepflogenheiten unseres Landes noch nicht so gut kennt.
Hinter all diesen kleinen Dingen steckt der Geist der Angst. „Das, wovor all die Menschen zur Zeit fliehen, hat jetzt also auch uns in Europa erreicht“, sagte jemand im Fernsehen. Sicherlich nicht so extrem wie im Irak oder in Syrien. Aber wir bekommen eine Ahnung davon, wie das sein muss. Die ständige Furcht. Die misstrauischen Blicke auf andere, wenn man sich in einer großen Menschenmenge bewegt.
Wo führt das noch hin? Ich habe keine Lust, mich ständig von Angst und Misstrauen bestimmen zu lassen. Das geht mir komplett gegen den Strich. Ich wünsche mir auch in Zeiten der Bedrohung das zurück, was der Apostel Paulus in einem seiner Briefe so benennt: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Pastor Torsten Kröncke, Elisabethkirche Langenhagen