Quergedacht

„Asche auf mein Haupt!“

Jede und jeder von uns hat schon einmal diesen Satz ausgesprochen. Dem einen war seine Bedeutung bewusst, der andere hat ihn vielleicht mehr oder weniger so dahin gesagt. Dieser Satz gehört in unseren aktiven Wortschatz.
Vielleicht sind Ihnen am Mittwoch Menschen begegnet, die eine schwarze Stirne hatten. Diese Menschen hatten sich nicht etwa nicht gewaschen. Auch ist das Make-up nicht verunglückt, und schon gar nicht gehörte dieses Aussehen zu einem Faschingskostüm. Nein, bei einigen konnte man bei genauerem Hinsehen vielleicht ein Kreuz erkennen. Ein Kreuz aus Asche, auf die Stirn gezeichnet. Am letzten Mittwoch, dem Aschermittwoch, begann die christliche Fastenzeit. In der Messfeier am Aschermittwoch werden die Gläubigen mit Asche bezeichnet und ihnen wird zugesprochen: „Bedenke, o Mensch, du bist aus Staub und zum Staub kehrst du zurück.“ (Vgl: Gen 3,19). Die Asche ist kein dekorativer Schmuck. Die Asche konfrontiert uns mit unserer Endlichkeit. Sie konfrontiert uns mit dem Sterben. Wer sich mit dem Aschenkreuz bezeichnen lässt, zeigt, dass er bereit ist zu Buße und Umkehr. So geht dieser Ritus auf das frühe Christentum zurück. Menschen, die sich schwer schuldig gemacht hatten, wurden öffentlich in den Stand der Büßer aufgenommen. Sie wurden mit einem Büßergewand bekleidet und mit Asche bestreut. Asche als Zeichen für Vergänglichkeit und Bußgesinnung war im gesamten Orient zu Hause, so auch in Israel. Ein anderer Satz, der beim Auflegen der Asche gesprochen wird, ist der Programmsatz des Evangelisten Markus: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15). Vielleicht sollten wir immer mal wieder umkehren. Umkehren, das heißt, zurück zum Anfang. Sich auf den Weg machen, zu einem Neustart. Gehe ich einen eingeschlagenen Weg zurück, werde ich vieles mit neuen Augen sehen. Meine Perspektive hat sich verändert. Das eröffnet mir neue Möglichkeiten und Einsichten. Zu dieser inneren Umkehr lädt Gott uns besonders jetzt, in der Vorbereitungszeit auf Ostern, ein. Folgen wir seiner Einladung.
Wolfgang Frost, Gemeindereferent der katholischen Liebfrauen-Gemeinde