Quergedacht

Durchgang statt Ankunft

Advent heißt übersetzt Ankunft. Das haben wir vielleicht schon einmal gehört. Passenderweise liegt unsere Kapelle am Flughafen dann auch auf der Ankunftsebene. Ich kann die Passagiere und Besatzungen dabei beobachten wie sie ankommen.
Doch so richtig kommen sie eigentlich nicht an. Auf der Ankunftsebene herrscht meist mehr Hektik als auf der Abflugebene. Eigentlich müsste sie Durchgangsebene heißen. Schnell den Koffer vom Band, zum Auto und Termin gehetzt. Das ist ein häufiges Bild.
Das entspricht wohl unserem Lebensmotto, der Weg ist das Ziel. Eigentlich kommen wir selten wirklich irgendwo an. Vielleicht haben wir sogar Angst anzukommen, weil wir eine Leere fürchten. Und doch wohnt in uns, manchmal auch tief verborgen, eine Sehnsucht endlich mal wieder irgendwo so richtig anzukommen.
Genau darum geht es im Christentum. Ankommen in der Bestimmung meines Lebens. Frieden finden in der Versöhnung mit den Unvollkommenheiten. Aufhören vor mir selbst zu fliehen. Weihnachten will eine einzige Einladung dazu sein. Das Kind in der Krippe steht als Symbol dafür, der erwachsene, getötete und auferstandene Christus allerdings genauso.

Ulrich Krämer, Flughafenseelsorger