Quergedacht

Angst vor Gott?

Angst vor Gott? Grund genug gäbe es ja dafür. Denn Gott kann mit einem Wort Leben erschaffen und es genauso wieder nehmen. Das steckt ja in dem Wort Gott mit drin. Das ist das, was Gott kann: Alles, überall und zu jeder Zeit. Und das sollte uns schon Angst machen, oder? Vorausgesetzt sie glauben an Gott. Die Bibel redet im ersten Teil, im Alten Testament, nicht von Angst, die wir vor Gott haben sollten, sondern von Furcht.
In Psalm 111 in Vers 10 heißt es: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.“ Ich weiß, dass es aus der Mode gekommen ist, dass es nicht mehr "in ist" an Gott zu glauben und erst recht nicht Gott zu fürchten. Viele, die an Gott glauben, stellen sich Gott so ähnlich vor wie den Weihnachtsmann: Ein alter Mann, langer weißer Bart, unheimlich nett mit ersten Anzeichen von Vergesslichkeit. Kein Wunder, dass ich dann als Pastor öfters zu hören bekomme: „Wenn ich dann wirklich eines Tages vor Gott stehe, dann sag ich ihm mal so richtig die Meinung: Wie er all das Leid, den Krieg und auch meinen eigenen Schmerz und meine Krankheit zulassen konnte.“
Klar denke ich auch manches Mal so beim Tagesschau gucken. Das geht aber nur, wenn ich von Gott dieses Alter-Mann-Bild habe. Mit Furcht vor Gott hat das rein gar nichts mehr zu tun. Auch mit dem, was wir über Gott aus der Bibel und ganz besonders von seinem Sohn Jesus Christus erfahren, stimmt unser häufiges Alter-Mann-Bild von Gott nicht überein.
„Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.“ Ja, das wäre tatsächlich ein Anfang. Ich glaube, wenn ein Mensch Gott fürchtet, würde er es sich mindestens dreimal überlegen, ob er seine Eltern anlügt, seinen Ehepartner betrügt oder das Handy, das im Bus liegt, mitgehen lässt.
Mit der Überschrift "Angst vor Gott" habe ich diesen Artikel begonnen. Mit der "Furcht vor dem Herrn" habe ich es genauer formuliert. Durch den zweiten Teil der Bibel, dem Neuen Testament, kann ich es nochmals präzisieren: Jesus sagt, dass wir Gott "Vater im Himmel" nennen dürfen. Geht dadurch die Furcht vor Gott verloren? Ist Gott dann doch der alte Mann mit grauem Rauschebart? Nein. Der Vater, bleibt immer eine Stufe über den Kindern. Wie in einer Familie haben die Eltern, in unserem Fall der Vater, das Sagen über die Kinder. Er bestimmt, passt auf, kontrolliert, entscheidet und muss den Kindern nicht alles begründen und erklären. Einiges schon, aber bei weitem nicht alles.
Auch der Vater im Himmel bleibt der Gott, der mit einem Wort Leben erschaffen und nehmen kann. Dank Jesus können wir aber aus der Furcht vor Gott die Ehrfurcht vor Gott machen. Ein kleiner aber wichtiger Unterschied. Denken sie mal darüber nach. Haben sie Ehrfurcht vor Gott? Und was macht das mit ihrem Verhalten im Alltag?


Pastor Marc Gommlich aus der Elia-Kirchengemeinde Langenhagen