Quergedacht

Der Leben ist herrlich

Der Frühling kommt. Das Wetter meint es gut. Nach einem schönen Spaziergang denke ich: Das Leben ist doch herrlich! - Doch offenbar denken viele anders. In der Straßenbahn oder beim Einkaufen höre ich: es wird viel gemeckert. Viele sind unzufrieden und beschweren sich über alles Mögliche. Meine Tochter kam vor Kurzem von einem Aufenthalt in Südafrika zurück. Sie hat in einem Krankenhaus gearbeitet. „Du glaubst nicht, wie gut wir es in Deutschland haben“, sagt sie. „Dort ist das Wasser knapp und manches, was für uns selbstverständlich ist, gibt es gar nicht oder nur für die ganz Reichen.“
Klagen wir hier auf hohem Niveau? Sicher ist es richtig, Missstände anzuklagen und zu beseitigen. Auch darf man sich mit keinem Unrecht abfinden. Manches ist aber kaum zu ändern. Anderes lohnt gar nicht, sich darüber zu ärgern. Dann wünsche ich mir Gelassenheit wie in dem Gebet: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Bei vielen Dingen hilft es schon, die eigene Einstellung zu überdenken. Dazu eine Geschichte: Zu einem Rabbi kam ein Mann und klagte: „Rabbi, mein Leben ist nicht mehr erträglich. Wir wohnen zu sechst in einem Zimmer. Was soll ich nur machen?“ Der Rabbi antwortete: „Nimm deinen Ziegenbock aus dem Stall mit in das Zimmer.“ Der Mann glaubte, nicht recht gehört zu haben. „Wie bitte?“ - „Tu, was ich dir gesagt habe“, entgegnete der Rabbi, „und komm nach einer Woche wieder.“ Nach eine Woche kam der Mann wieder, total am Ende: „Wir können es nicht mehr aushalten, der Bock stinkt fürchterlich!“ Der Rabbi sagte zu ihm: „Geh nach Hause und stell den Bock wieder in den Stall und komme nach einer Woche wieder.“ Die Woche verging. Als der Mann zurückkam, strahlte er über das ganze Gesicht: „Das Leben ist herrlich, Rabbi. Wir genießen jede Minute. Kein Ziegenbock - nur wir sechs!“
Pastor Frank Foerster, St. Pauluskirche Langenhagen