Quo vadis Baugebiet Dorfstraße?

Heiße Debatten gab es in den einzelnen Arbeitskreisen, die durch Mitarbeiter von KoRIS geführt und mit Expertenwissen von Stadtbaurat Carsten Hettwer (links) begleitet wurden:Fotos: C. Wurm
 
Bald ein Bild von gestern? Der Blick vom Krummer Kamp über das offene Feld zum Baugebiet.

Bürgerdialog: Unterschiedliche Interessenlagen im Austausch

Engelbostel/Schulenburg (cow). Wie geht es weiter mit dem Neubaugebiet Dorfstraße zwischen Engelbostel und Schulenburg? Wo gibt es Probleme und Konfliktpotentiale seitens der alteingesessenen und den neu hinzugezogenen Anwohnern? Dass es noch viele offene Fragen und Klärungsbedarf zur nördlichen Erweiterung des Baugebietes gibt, zeigten die am vergangenen Dienstagabend zahlreich im Schulenburger Dorfgemeinschaftshaus erschienenen Bürgerinnen und Bürger auf.
Die Stadt Langenhagen lud gemeinsam mit extern beauftragten Moderatoren vom Büro KoRIS (Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung) zu einem von Michael Horn (Grüne) angeregten Bürgerdialog ein, um auf neutraler, sachlich geführter Gesprächsebene Meinungen auszutauschen und gemeinsam mögliche Kompromisse in der Planung zu finden. Karolin Thieleking führte mit ihrem Team zielgerichtet, aber ergebnisoffen durch das Programm und die anschließenden Arbeitskreise. Gegenstand der Diskussion war zunächst nur der Bauabschnitt I des Bebauungsplans Nummer 713 A „Baugebiet Dorfstraße – nördliche Erweiterung bis zur Straße Krummer Kamp“.
Stadtbaurat Carsten Hettwer begrüßte die große Bürgerbeteiligung. Er könne durchaus verstehen, dass eine Veränderung vor der Nase nicht jedem gefalle. Trotzdem machte er klar, dass Langenhagen auch der starken Nachfrage an Wohnraum gerecht werden müsse. Im Weiherfeld sei mittlerweile so gut wie alles an Grundstücken ausgeschöpft und Flächen, die entwickelt werden können, nicht unbegrenzt verfügbar. Carolin Ottensmeyer, Fachdienstleiterin Stadtplanung und Geoinformation, fasste den bisherigen Planungsstand zusammen und zeigte einen möglichen weiteren Verfahrensablauf. Demnach würde es voraussichtlich nach dem Bürgergespräch zu einer Überarbeitung des B-Planentwurfs kommen. Eine Beratung des Stadtplanungsausschusses sollte möglichst im Sommer folgen. Der Satzungsbeschluss ist für November 2015 angestrebt. Somit wäre eine Genehmigung des B-Plans nicht vor Anfang 2016 möglich. Bauinteressierte können also erst ab Mitte 2017 mit der tatsächlichen Baulandfreigabe rechnen. Soweit die theoretischen Rahmenbedingungen.
Im überarbeiteten, neu vorgestellten städtischen B-Planentwurf zum Bauabschnitt I wurden bereits einige der Anregungen aus dem bisherigen Beteiligungsverfahren berücksichtigt. In dieser Entwurfsalternative, die mit rund 90 Wohneinheiten einen Grünflächenanteil von insgesamt 38 Prozent aufweist, wurde unter anderem die „Grünkeil-Engstelle“ in der Mitte von 43 auf 50 Meter ausgedehnt, ein zentraler Spielplatz eingeplant und eine Grünfläche zwischen Löwenberger Straße und Neubebauung Schulenburg ausgewiesen. Der Feldweg, so genannter Hundeweg, welcher quer von Ost nach West durch das Feld führt, könnte für Fahrradfahrer erweitert und an das Neubaugebiet angebunden werden. Auf Wunsch verzichtete man auch auf das Regenwasserrückhaltebecken, da die Wasserfläche ein Gefahrenpotential, insbesondere für spielende Kinder, darstellen könnte. „Der Grünkeil ist so groß, dass der gesamte Langenhagener Marktplatz hineinpassen würde“, betonte Ottensmeyer in ihren Ausführungen. Mit in die Beratungen einfließen soll auch die Berücksichtigung von Garagen/Stellplätzen für die angrenzenden Bestandsreihenhäuser in Engelbostel, um die Parkplatzsituation in der sog. „Siedlung“ zu entspannen, sowie der Bau von kleineren Altenwohnprojekten und einer größeren Senioreneinrichtung, die im Norden das Baugebiet abschließen soll. Erstes Lob für den angepassten Entwurf gab es von Schulenburger Ortsratsmitglied Friedhelm Grote. Doch viele Anreiner, insbesondere die Anwohner der Bohlweise im Süden des Baugebietes, sind mit dem derzeitigen Planungsstand nicht zufrieden. Sie hätten bewusst mehr Geld für die Grundstücke als im Weiherfeld ausgegeben, da ihnen der Blick ins Grüne und laut damaligem B-Plan eine ausgedehnte Parkfläche versprochen wurde.
Wie kann ein Kompromiss aussehen? In drei Arbeitsgruppen nahmen die Teilnehmer die beiden letzten B-Planentwürfe noch einmal genau unter die Lupe. Kontroversen von Interessenten und Anwohnern prallten aufeinander, aber auch Partikularinteressen wurden herausgearbeitet und an Politik und Stadt getragen. Der Ruf danach, die in der Engelbosteler Reihenhaussiedlung befindliche Kleingartenkolonie (Grabeland) aufrechtzuerhalten gehörte unter anderem zu den Kritikpunkten. Die Kleingärten gibt es seit 1972, berichtet Matthias Jürgens, der in unmittelbarer Nähe zu den meist liebevoll angelegten Gewächsen wohnt. Inwieweit eine Art „Urban Gardening“ im neugeplanten Grünstreifen integriert werden könne, müsse geprüft werden. Vom Grundsatz wurde allerdings zusätzlich bemängelt, dass es kein gesamtes Konzept, zusammen mit dem Bauabschnitt II gibt, denn so ließen sich die Grünflächen ganz anders aufteilen. Dies sei allerdings den derzeitigen Eigentumsverhältnissen geschuldet, so Ottensmeyer. Der Flughafen besitzt eine Fläche im Norden. Laut Michael Hesse (Prokurist Hannover Airport) gebe es durchaus Bereitschaft über Erschließungsanträge zu verhandeln. Man führe mit dem Flughafen hierzu Gespräche, signalisierte Hettwer.
Der Wunsch nach weiteren Beteiligungsschritten bleibt, um als direkt Betroffener möglichst wenig Nachteile zu haben. Dies könne Hettwer jedoch nicht versprechen, denn letzten Endes ist es eine politische Entscheidung, die mit beiden Ortsräten und im Planungsausschuss zu diskutieren ist. De facto gibt es Bedarf nach Bauland und Langenhagen braucht dringend Fläche, die zum Verkauf angeboten werden kann. Für die Anwohner ist das Ergebnis aus dem Bürgerdialog nun weiter offen. Die Stadt hat sich zwar den Wünschen und Belangen der Bürger gestellt, was sie schließlich davon, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, in den B-Planentwurf übernimmt und abändert, bleibt jedoch wieder abzuwarten.