Radlerrisiko am Reuterdamm

Weniger Schilder, mehr Rechte für den Radverkehr

Langenhagen (gg). Passionierte Radfahrer wissen es schon lange, die Ordnungshüter der Stadtverwaltung auch: Kraftfahrer müssen mehr und mehr mit Radfahrern auf ihrer Fahrbahn rechnen, Rücksicht nehmen und Platz machen – so die geltende Rechtssprechung seit drei Jahren. Zwar kann bei hohem Verkehrsaufkommen auf Radweg-Benutzung verpflichtet werden, doch dann sollte zumindest nur eine Fahrtrichtung gelten. Das heißt: Dass sich Radfahrer auf einem Radweg begegnen, sollte nicht mehr vorkommen. Hintergrund sind Auswertungen zu Unfallursachen, und der Begegnungsverkehr stellt ein Unfallrisiko dar. Immer wieder haben Mitarbeiter der Stadtverwaltung den Radverkehr überprüft. „Doch viel ist im Vorjahr auch liegen geblieben, das hat sich nun geändert“, sagt Boris Ehrhardt, Leiter der städtischen Abteilung Ordnung. Präsentiert wurde in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses nun ein Radweg-Konzept, erarbeitet vom beauftragten Ingenieurbüro Schubert (Hannover); zunächst für die Kernstadt, die Ortsteile Kaltenweide und Krähenwinkel folgen im nächsten Jahr, später Godshorn, Schulenburg und Engelbostel. Die Ratsmitglieder staunten über die rechtlichen Gegebenheiten auf den Hauptstraßen. Beispiel Reuterdamm. Dort gibt es Radwege, doch die Radfahrer müssen diese nicht benutzen. „Das ist grotesk, bei der Verkehrsdichte dort. Was ist mit der Sicherheit für Radfahrer?“ fragte Ratsherr Reinhard Grabowsky (CDU). Dem schloss sich Ratsherr Bernhard Döhner (CDU) an, und Ratsherr Matthias Gleichmann (SPD) ergänzte: „Nur bei dem Gedanken daran, Fahrradfahrer auf der Fahrbahn des Reuterdamms zu sehen, sträuben sich mir die Haare.“ Klar sei, dass rechtlich alles korrekt laufen müsse, aber das eigentliche Ziel werde verfehlt, nämlich die „Attraktivitätssteigerung, um mehr Bürger zum Radfahren zu bewegen“. Stadtbaurat Carsten Hettwer zeigte den größeren Zusammenhang auf. Ständiges Bestreben sei, die Wege und Verbindungen zu verbessern, das sogenannte Radwege-Netz, um den Radverkehr zu fördern. An der Umsetzung der verkehrsrechtlichen Regelungen hänge das nicht allein. „Vernünftige und an die gängige Praxis angepasst“ sei das neue Radweg-Konzept, betonte Bürgermeister Mirko Heuer vorab im Pressegespräch, insbesondere in Bezug auf die radelnden Schüler. Die sollen weiterhin an der Konrad-Adenauer-Straße auf einer Seite in beiden Fahrtrichtungen fahren können. Umlernen sei aussichtslos. Die Verkehrsmenge (mehr als 1.000 Fahrzeuge pro Stunde) habe zu der Entscheidung geführt, die Radfahrer auf der Walsroder Straße (grob ab Bothfelder Straße bis nach Krähenwinkel) auf den Radweg zu zwingen. Fahrbahnbenutzung ist dort nicht erlaubt, teilweise wird auch dort eine Gegenläufigkeit eingerichtet. Kritisiert wurde das von Ratsherr Dirk Musfeldt (Grüne). Das Mantra des Separierens von Kraft- und Radverkehr sei glücklicherweise überwunden. Festgestellt worden sei, dass das Mischen der Verkehrsteilnehmer Sinn mache. Er erinnerte, dass Radfahrer das Recht haben, die Fahrbahn zu benutzen, wenn der Radweg einen zu schlechten Zustand hat und dies sei im Verlauf der Walsroder Straße stellenweise gegeben. Als Prozess des ständigen Beobachtens und Anpassens beschreibt Boris Ehrhardt die nächsten Schritte. Erst einmal gibt es weniger Schilder an den Straßen. Vereinzelt werden Straßenmarkierungen aufgebracht, ein Beispiel ist die Nordseite der Klusriede, die einen Schutzstreifen für Fahrradfahrer bekommt. Stellenweise für Radfahrer ausgebaut auch, als Nächstes auf der nördlichen Theodor-Heuss-Straße (Kosten 170.000 Euro).