Raumnot und Inklusion

Diskussion in der IGS stößt auf viel Interesse

Langenhagen (he). Eine verblüffende Erklärung für die restriktive Haltung der Niedersächsischen Landesregierung gegenüber Neugründungen von Gesamtschulen fand Emil Brockstedt im Verlauf der Podiumsdiskussion „Quo vadis, IGS?“ am Dienstagabend: Bekanntermaßen leisteten vierzügige Gesamtschulen hervorragende Arbeit, erklärte der CDU-Landtagsabgeordnete. Da es aber nun mal den demografischen Wandel gebe, müssten neue IGSen heute fünfzügig gegründet werden, um in ein paar Jahren dann mit vier Parallelklassen arbeiten zu können. Das im Sommer 2009 eingeführte Gründungsverbot für vierzügige Gesamtschulen diene nur dem Schutz der Schulen, so Brockstedt weiter – bitteres Gelächter im Publikum war die Antwort.
Eingeladen zu der Diskussion im Vorfeld der Kommunalwahl hatte die IGS Langenhagen; Schulleiter Wolfgang Kuschel übernahm die Moderation. Auf dem Podium nahmen neben Emil Brockstedt auch der Landtagsabgeordnete Marco Brunotte (SPD) und die Ratsmitglieder und Kandidaten Marc Köhler (SPD), Mirko Heuer (CDU), Ulrike Jagau (Grüne), Bernd Speich (FDP), Brigitta Runge (Linke) und Jens Mommsen (BBL) Platz. Rund 100 Zuhörer – unter ihnen viele Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte der IGS – folgten der Diskussion aufmerksam und mit engagierten eigenen Redebeiträgen. Bewusst stellte Wolfgang Kuschel dabei das Thema „Raumnot im Schulzentrum“ ans Ende der Diskussion, um auch anderen Fragestellungen Raum einzuräumen.
In einer Frage herrscht bei allen Parteien Einigkeit: In Langenhagen besteht keinerlei Bedarf, eine Oberschule zu beantragen. Einigkeit herrscht auch in der Einschätzung der an der IGS geleisteten Arbeit – so sprach Jens Mommsen von der „Perle“ IGS, einem Erfolgsprojekt, das weiterhin gefördert werden müsse. Woher das Geld dafür kommen soll, steht für den BBL-Mann fest: Er will vor allem in der Bauverwaltung sparen, deutlich weniger Aufträge nach außen vergeben und notwendige Bauten schlichter als bislang üblich errichten.
Eine zweite IGS für Langenhagen brachte Ulrike Jagau ins Spiel: Sie hält es für denkbar, den Haupt- und den Realschulzweig an der Brinker Schule plus weitere Schüler von außen in einer neuen Gesamtschule zusammenzuführen; die Grundschule müsste in diesem Fall ausgelagert werden. Marc Köhler spann diesen Gedanken fort: Sinnvoll sei dann sicher eine gemeinsame Oberstufe beider IGSen, darüber hinaus wünsche er sich auch eine engere Zusammenarbeit der Oberstufen von IGS und Gymnasium.
Das Thema Inklusion nahm ebenfalls breiten Raum in der Diskussion ein, die allerdings selbst unter einem Handicap litt: Die Landesregierung ist bei diesem Thema in Verzug; noch immer regelt kein Gesetz die schulische Integration von Kindern mit Behinderung oder Lernschwierigkeiten. Konkrete Aussagen zur Inklusion zu treffen, fiel daher allen Beteiligten schwer, deutlich wurde aber von Marco Brunotte auf das Konnexitätsprinzip verwiesen: Bei der Umsetzung sei das Land finanziell in der Pflicht, da Inklusion keineswegs zum Nulltarif zu haben sei. Aber: „Nachbarländer zeigen, dass Inklusion gelebt werden kann“, so Brunotte. Besonders gute Voraussetzungen dafür bescheinigte Ulrike Jagau den Gesamtschulen mit ihrem ohnehin integrativen Ansatz.
Beim Thema Raumnot schließlich war zunächst eine Begriffsklärung nötig: Er verstehe unter dem geplanten zweiten Bauabschnitt den Umbau der jetzigen Mensa, nicht jedoch den Bau weiterer Klassenräume, erklärte Mirko Heuer. Während er die prognostiziert sinkenden Schülerzahlen ins Auge fasste, wies Ulrike Jagau darauf hin, dass es im Schulzentrum immer eine hohe Zahl von Schülern geben werde – Investitionen seien daher lohnend. Bernd Speich betonte, dass seine Fraktion von Anfang an für den Neubau von 16 Klassenräumen plädiert habe; tatsächlich werden in einem ersten Bauabschnitt jedoch nur acht neue Räume für IGS und Gymnasium errichtet. Marc Köhler wünscht sich, einen zweiten Bauabschnitt zeitlich sofort anzuschließen, dabei möglicherweise Stadt- und Schulbibliothek zu integrieren. Als Sofortmaßnahme kann sich Jens Mommsen vorstellen, sechs bis sieben Räume im sogenannten Siechenhaus durch IGS oder Gymnasium zu nutzen. Dass dringend und zügig etwas gegen die Raumnot am Schulzentrum getan werden muss, ist offensichtlich Konsens unter den Parteien – gleich nach Beginn der neuen Ratsperiode müssten Lösungen angegangen werden. Wie belastbar die Aussagen dazu sind, wird sich jedoch auch in diesem Fall erst nach der Kommunalwahl zeigen.

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