Reemtsma erweitert Produktionskapazität

Das Werk Langenhagen spielt eine führende Rolle: Werksleiterin Christina Florian und Walter Prinz, Direktor für Produktion, Forschung und Entwicklung bei der ITG. Fotos: D. Lange
 
Produktionsmaschinen der neuesten Generation und motivierte Mitarbeiter sorgen im Langenhagener Werk für Qualität.

Eindeutiges Bekenntnis der Imperial Tobacco Group zum Standort Langenhagen

Langenhagen (dl). Mit sieben Dreherinnen in einer Erfurter Wohnung begann vor 100 Jahren die Geschichte der Firma Reemtsma. Seit der Übernahme der Constantin Cigarettenfabrik im Jahr 1928 produziert Reemtsma in der Region Hannover und seit 1971 am Standort Langenhagen. Im Jahr 1980 verkaufte Jan Philip Reemtsma, ein Enkel des Firmengründers Bernhard Reemtsma, seine Anteile an die Tchibo AG, und seit 2002 ist die Reemtsma GmbH eine hundertprozentige Tochter der weltweit agierenden Imperial Tobacco Group (ITG) mit Sitz in Bristol, England. Das Werk Langenhagen, das innerhalb des Konzerns einen hervorragenden Ruf hat und in dem derzeit 660 Mitarbeiter beschäftigt sind, wird aufgrund seiner Effizienz und seiner hohen Produktionsqualität auch gern das „Davidoff-Werk“ genannt, nach der Premiummarke von Reemtsma. Mitte kommenden Jahres wird das Reemtsma-Werk in Berlin geschlossen, und sowohl ein Teil der Maschinen als auch 120 der 400 Berliner Beschäftigten werden in Langenhagen die Produktionskapazitäten erheblich erweitern. Die Entscheidung für den Standort an der Westfalenstraße wurde dabei im Wesentlichen von der hervorragenden Verkehrs-Infrastruktur beeinflusst.
Vorstandssprecher Richard Gretler bedauert zwar die Schließung des Berliner Werks, sieht sie aber als eine notwendige gesamteuropäische Restrukturierung nach der Übernahme des französisch-spanischen Konkurrenten Altadis im Jahr 2008, wodurch sich Reemtsma zugleich auch die Rechte an den Marken Gauloises und Gitanes sichern konnte – des einen Leid ist oftmals des anderen Freud.
Kürzlich konnten sich Vorstandsmitglieder der ITG und Vertreter der beteiligten Zulieferfirmen ein Bild machen von den umfangreichen Erweiterungsbauten im Werk Langenhagen. Christina Florian, Leiterin des Langenhagener Werks, führte ihre Gäste durch die Hallen und machte sie mit den Einzelheiten der Neubauten vertraut. Sie sagt: „Mit dem Bau des Hochregallagers und der Produktionsstättenerweiterung ist der Standort Langenhagen für den internationalen Wettbewerb bestens gerüstet. Wir sind jetzt in der Lage, den über die Jahre gewachsenen Lager- und Logistikanforderungen des Unternehmens gerecht zu werden.“
Im Jahr 2009 wurde mit den Baumaßnahmen für das vollautomatische Hochregallager begonnen, das beindruckende Maße aufweist. Es ist 94 Meter lang, 35 Meter hoch und bietet Platz für 24.000 Palettenstellflächen. In dem neuen Lager ist es dunkel, denn eine ausgeklügelte Software sorgt dafür, dass der Computer die Paletten auch ohne Licht auf den Zentimeter genau ablegt und wiederfindet. Zusätzlich zum neuen Hochregallager wuchs die Produktionsfläche um 6.200 Quadratmeter. Hier wurden bereits Produktions- und Verpackungsmaschinen der neuesten Generation installiert; zusammen mit den Maschinen aus Berlin und den zusätzlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird damit eine Steigerung der Produktion von bisher 27 auf 34 Milliarden Zigaretten jährlich ermöglicht. Das entspricht einem Volumen von 18.000 Zigaretten in der Minute. Um diese Stückzahlen bei gleichbleibender Qualität erreichen zu können, ist ein hoher Automatisierungsgrad der Produktion vonnöten, in Verbindung mit einer hocheffizienten Steuerung und Onlineüberwachung des gesamten Ablaufs vom Tabak bis zur fertigen Zigarette. So unscheinbar diese auch aussieht, ihre Herstellung ist ein äußerst komplexer Vorgang, der mit atemberaubender Geschwindigkeit abläuft und mit bloßem Auge praktisch nicht wahrgenommen werden kann. Man sieht nur ganze Zigarettenstränge, die sich über schnell rotierende Walzen bewegen. Vor diesem Hintergrund ist auch das etwas pathetisch klingende Wort von Walter Prinz, Leiter Produktion, Forschung und Entwicklung bei der ITG, von der „Zigarette als ein kleines Kunstwerk“ zu verstehen.
Zwar ist der Markt für versteuerte Zigaretten in Deutschland im Jahr 2010 um zwei Prozent zurückgegangen, dennoch konnte Reemtsma im selben Zeitraum Umsatz und Gewinn um zehn Prozent steigern. Mit ein Grund dafür ist der wachsende Trend zu Großpackungen und preisgünstigen Markenzigaretten. Auch die Reemtsma-Marken John Player Special und Gauloises verzeichnen deutliche Zuwachsraten. Reemtsma ist nach nach eigenen Angaben mit knapp 27 Prozent Marktanteil die Nummer 2 auf dem deutschen Zigarettenmarkt, außerdem Marktführer bei Tabaken.
Insgesamt gesehen ist der Tabak- und Zigarettenverbrauch in der EU und speziell in Deutschland rückläufig. Das liegt in erster Linie an restriktiven gesetzgeberischen Maßnahmen einschließlich eines fast vollständigen Werbeverbots, das EU-weit möglicherweise noch verschärft werden soll, und nicht zuletzt auch an der hohen Steuerbelastung auf Tabakprodukten. Bei Reemtsma wird diese Entwicklung natürlich mit großer Sorge gesehen; man befürchtet dadurch eine weitere Zunahme des Zigarettenschmuggels. Schon jetzt wird nach Angaben des Deutschen Zigarettenverbandes jede fünfte Zigarette nicht in Deutschland versteuert.
In Langenhagen wird bereits seit Langem sehr flexibel für den weltweiten Markt produziert, ein großer Teil der Produktion geht ins Ausland. Aus diesem Grund verfügt das Werk über einen großen Know-How-Vorsprung gegenüber anderen Werken der ITG, was sich als Vorteil erweist, da einzig der asiatische Markt noch als wachstumsfähig angesehen wird. Werksleiterin Christina Florian ist davon überzeugt, dass die Leistungsfähigkeit und der gute Ruf des Werks ohne ihre hervorragenden und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht möglich wären – Langenhagen nehme damit eine führende Rolle ein unter den 31 Werken der ITG.