Reformation aktueller denn je

Pastor Gerhard von Lingen und Superintendent Martin Bergau. (Foto: D. Lange)

Gottesdienst in der Elisabethkirche

Langenhagen(dl) Die Reformation als eine kirchliche Erneuerungsbewegung geht in Deutschland auf die von Martin Luther im Jahr 1517 formulierten 95 Thesen zum Ablasshandel zurück und führte letztendlich nicht nur zur Spaltung der Christen in verschiedene Konfessionsrichtungen, sondern löste zudem im ausgehenden Mittelalter einen fundamentalen Paradigmenwechsel aus, eine Abkehr also von überholten Denk- und Handlungsmustern und hin zu etwas Neuem, das mehr ist als nur eine Reform der römisch-katholischen Kirche. Gründe dafür gab es wahrlich genug. Die von Martin Luther so vehement angeprangerten Ablassbriefe waren da nur einer von vielen, der aber wohl der letzte Tropfen war, der das Fass zum überlaufen brachte. In seiner Predigt zum Tag der Reformation griff Pastor Gerhard von Lingen, der zusammen mit Martin Bergau den Gottesdienst leitete, ein Thema auf, das als ein Teil der lutherischen Kernbotschaft angesehen wird und das in unserer Gesellschaft derzeit heftig diskutiert wird. Es geht um die Beschneidung von Jungen kurz nach ihrer Geburt. Für die einen- Juden und Muslime- ist es eine in ihrer Religion liegende Tradition, für die anderen erfüllt diese Beschneidung den Tatbestand der Körperverletzung. Pastor von Lingen zitierte zu dieser Frage Auszüge aus dem Brief an die Galater des Apostel Paulus, der darin der Beschneidung als „einer notwendigen Voraussetzung für das Christsein“ eine Absage erteilte. Für Martin Luther gehörte dieser Brief zu den biblischen Texten, auf die er sich stützte und für ihn war er so etwas wie ein Weckruf . „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ heißt es darin und er sprach in diesem Zusammenhang von der „Freiheit eines Christenmenschen“. Für Martin Luther galt „weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern nur einzig allein der Glaube“.