Reich an Schätzen und doch vielfach arm

Blick über Ulaanbaatar, die Hauptstadt der Mongolei, die auf 1.350 Meter liegt.
 
Volksheld und Khan der Mongolen: Marco Brunotte vor der Statue von Dschingis Khan.

Eine Reise in eine andere Welt: Marco Brunotte in der Mongolei

Langenhagen (ok). 21 Flugstunden, immer der Sonne entgegen – der Langenhagener Landtagsabgeordnete und Ratsherr Marco Brunotte (SPD) hat einen wahren Mammuttrip hinter sich. Über Istanbul und Bischkek in Kirgisistan ging es nach Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei. Eine Reise in eine andere Welt. Brunotte war für die Friedrich-Ebert-Stiftung rund um die halbe Welt unterwegs, schulte in Fernost die dortigen Volksvertreterinnen und Volksvertreter der Mongolischen Volkspartei in Sachen Kommunalpolitik. Die hat gerade eine herbe Schlappe hinnehmen müssen, ist in diesem Jahr als Regierungspartei abgelöst worden. Nun sind Machtwechsel in einem demokratischen Land an und für sich nichts Ungewöhnliches, in der Mongolei aber schon. Denn: Die Mongolische Volkspartei war seit sage und schreibe 1921 an der Regierung. „Jetzt heißt es erst einmal Arbeit in der Opposition lernen", so Brunotte. Bemerkenswert sei auch, dass die Volkspartei den friedlichen, demokratischen Transformationsprozess zu Beginn der 90er-Jahre freien Stücken angeschoben und übernommen hat.
Aber Marco Brunotte ist auch fünf Tage in die Mongolei geflogen, um sich mit dem Land zu beschäftigen und Lösungen auf bestimmten Problemfeldern anzubieten. Und von denen gibt es eine ganze Menge, gehört die Mongolei doch zu den ärmsten Ländern auf der Erde. „Und dabei ist es an Rohstoffen reich. Kupfer, Eisenerz und Kohle gibt es in Hülle und Fülle“, weiß Brunotte. Das Problem: Das Land profitiert kaum, die Schürfrechte sind oft an Ausländer verkauft, das Know-How fehlt. Brunotte: „Die Mongolen sind in erster Linie ein Nomadenvolk der Viehzüchter und Jäger, das in seinen Jurten lebt.“ Viele kommen aber auch nach Ulaanbaatar, die Hauptstadt wächst und wächst, bald leben schon etwa die Hälfte der rund drei Millionen Mongolen in der Metropole. Brunotte: „Sie bekommen 700 Quadratmeter von der Regierung gestellt, graben sich ihr Plumpsklo und bleiben.“ In der Hoffnung auf einen Job, denn gerade die Bauindustrie in Ulaanbaatar boomt, Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden.
Die wenigen Oligarchen im 1,5 Millionen Quadratkilometer großen Land sind allerdings steinreich, das Einkommen ist extrem ungleichmäßig verteilt. Zum sozialen Ungleichgewicht kommt auch das große Thema Korruption. Brunotte: „Wer ins Parlament kommen will, muss erst einmal bis zu 150.000 US-Dollar auf den Tisch legen.“ Und das bei einem Bruttoinlandsprodukt von 3.000 US-Dollar pro Kopf und Jahr. Politik machen bleibt also nur denjenigen vorbehalten, die schon über das nötige Bargeld verfügen, oder es sich auf legale oder illegale Art und Weise beschaffen können.
Es war für Brunotte und seine Mitstreiter also erst einmal angesagt, zumindest einen Hauch basisdemokratischer Strukturen zu schaffen. „Wir müssen demokratische Prozesse fördern, da ein großer Teil der Bevölkerung vom Reichtum ausgeschlossen ist“, bringt der 35-jährige Sozialdemokrat das Grundanliegen auf den Punkt. Für allen Dingen müsse in einer Demokratie, die an und für sich relativ stabil ist, versucht werden, die Erlöse aus den zahlreichen Rohstoffen im Land zu halten. Als positives Beispiel nennt er die Entwicklung in Norwegen. Der Schlüssel zu allem ist nach wie vor die Bildung, die aber einen hohen Stellenwert in der Mongolei besitze. Hier seien nicht die Inhalte der Ansatzpunkt, sondern das Raumproblem. „Die Schülerinnen und Schüler lernen in drei Schichten am Tag, weil einfach der Platz fehlt“, sagt Brunotte.
Große Hürden sind auch in Sachen Infrastruktur zu überwinden, die starken Temperaturunterschiede – plus 40 Grad Celsius im Sommer, minus 40 Grad Celsius – machen den Straßen schwer zu schaffen. Öffentlichen Personennahverkehr gibt es in dem asiatischen Staat, in dem wegen eines Studiums in der DDR zwei Prozent deutsch sprechen, kaum, Autos verstopfen die Straßen, eine Dunstwolke liegt über der zentralasiatischen Hauptstadt. Und auch Wasser ist in der kargen Steppe natürlich knapp; ein Gut, das unter anderem für den Bergbau elementar ist.
Eine Menge Erfahrungen, die Marco Brunotte nach fünf ereignisreichen Tagen mit nach Hause nimmt. „Das war Reizüberflutung pur bei einer tollen Gastfreundschaft“, fasst Brunotte zusammen, dem nach der Herbstakademie schon ein wenig der Kopf rauchte. Klar ist für ihn aber auf jeden Fall, dass das nicht sein letzter Besuch in der Mongolei war; er auf jeden Fall den Kontakt halten und bei der Schaffung von Qualifizierungsebenen mitgestalten will. Denn: „Wichtig ist es, hier Nachhaltigkeit zu schaffen.“