Rennpferde in Rente
Netzwerk aus Langenhagen hat bundesweite Bedeutung
Langenhagen (gg). Es sind die bedrückenden Zahlen aus dem Big Business Galopprennsport, die die Langenhagenerin Nicole Billaudelle nicht untätig hinnehmen wollte: „In jedem Jahr werden etwa 1.000 Rennpferde aus dem Sport entlassen, und mehr als 80 Prozent von ihnen haben dann ein völlig ungewisses Schicksal“, so ihre Informationen aus der Szene. Seit dem sie sich privat mit einem eigenen Reitpferd beschäftigt, das ihr als so genannter Ex-Galopper große Freude macht, kommt sie an der Situation der Rennpferde allgemein nicht mehr vorbei.
„Wenn man ein Pferd übernimmt, das bisher nur den Dienst auf der Rennbahn kennt, kann man nicht erwarten, dass es ein Verhalten wie ein typisches Reitpferd zeigt“, so die Erfahrung von Nicole Billaudelle. „Das kann aber kein Grund zum Schlachten sein. Wenn diese Pferde fachgerecht umerzogen werden, sind sie verlässliche Reitpferde, die für ihre Besitzer sehr wertvoll sind.“ Bestätigen kann sie, dass viele Reiter eine vorgefasste Meinung von den Rennpferden haben: „Viele glauben, dass Rennpferde durch die Beanspruchung im Rennen grundsätzlich nicht mehr gesund sind, dass Sehnenschäden und Stress einen normalen Umgang unmöglich machen. Es gibt viele Vorurteile, die aus Unkenntnis herrühren.“
Die Pferdeliebhaberin wollte Aufklärung bieten und erstellte dafür die Internetseite www.rennpferde-rente.de. Schnell entwickelte sich dieses Portal, weil hier viele Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen kamen. In einem Forum tauschen Besitzer von Ex-Galoppern ihre Erfahrungen bei der Umerziehung aus und nutzen das Wissen der Gemeinschaft. Zusätzlich findet man Hinweise auf Rennpferde, für die neue Besitzer gesucht werden.
„Entscheidend ist, dass die Pferde nur dann an neue Besitzer vermittelt werden, wenn diese genau wissen, worauf sie sich einlassen. Kaufen und losreiten ist bei einem Rennpferd nicht möglich“, so Nicole Billaudelles Hinweis. „Die Rennpferde außer Dienst sind meistens zu einem relativ niedrigen Preis zu bekommen, was natürlich ein Anreiz für einen schnellen Kauf ist. Wenn dann die neuen Besitzer aus Unkenntnis mit dem Tier nicht zurecht kommen, ist das immer tragisch. Die Unfallgefahr für Pferd und Reiter ist dann groß, und eine Weitervermittlung wird immer schwieriger.“
Nicole Billaudelle freut sich, dass sie mit ihrer Internetseite durch Aufklärung einen positiven Beitrag für das Schicksal der Ex-Galopper leisten kann, das belegen viele Erfolgsgeschichten der Rennpferde in Rente. Dafür lohne sich der große zeitliche Aufwand für die Beantwortung der vielen Fragen, die sie täglich per Mail erreichen. Alle Daten und Informationen zu den Rennpferden, die für die Vermittlung auf ihrer Internetseite vorgestellt werden, werden von ihr mit dem zugeordneten Verband, dem Direktorium für Vollblutzucht und Rennen, abgeglichen. Die Vermittlung selber übernimmt sie nicht – Besitzer und Interessenten kommen über das Portal direkt miteinander in Kontakt.




