Riesenbeifall für Samba in der Kirche

Musikalischer Höhepunkt war das Kirchenkonzert in Joinville.
 
Konzert für die Frühschicht im VW-Werk in Pinhais bei Curitiba.

Tolle Brasilien-Tournee der Langenhagener Symphoniker

Langenhagen (kr). Auch auf seiner zehnten Brasilien-Tournee stand für Musikdirektor Ernst Müller Langenhagens Partnerstadt Joinville natürlich wieder im Mittelpunkt der Reise. Mit über 500.000 Einwohnern, davon die meisten deutscher Abstammung, ist die Stadt die größte im Bundesstaat Santa Catarina. Mit seinen musikalischen Auftritten mit dem Blasorchester der Stadt Langenhagen in den Jahren 1974, 1976 und 1978 legte er die Basis für die Städtefreundschaft. Denn 1978 tauschte der damalige Bürgermeister Walter Bettges mit seinem Kollegen in Joinville und späteren Gouverneur des Bundesstaates, Luiz Henrique da Silveiro in Brasilien nicht nur Gastgeschenke aus, sondern sie kamen auch schnell überein, die Verbindungen zwischen den Städten zu vertiefen. Eine entsprechende Urkunde wurde 1979 von beiden Seiten unterzeichnet. Eine treibende Kraft war und ist bis heute Regina Colin, die maßgeblich die gegenseitigen Besuche initiierte und organisatorisch managte und dabei etliche Male auch in Langenhagen zu Besuch war. Auch diesmal betreute sie perfekt die vor einem Jahr gegründeten Langenhagener Symphoniker. Ernst Müller wurde für „seine Jahrzehnte lang erwiesene Freundschaft“ jetzt in Joinville vom amtierenden Bürgermeister Udo Döhler mit einer speziellen Plakette ausgezeichnet. Das Programm für die Gäste aus der Flughafenstadt umfasste unter anderem einen hochinteressanten Besuch der Familienbrauerei „OPA Bier“, ein großes Konzert bei der Musikgemeinschaft „Lyra“, ein Ständchen zum 90. Geburtstag von Regina Colins Mutter, einen Auftritt in der neuen Shopping Mall und den musikalischen Auftakt zum 75. Jubiläum der bekannten Gießerei „Tupy“. Das hatte seinen besonderen Grund. Denn der damalige Besitzer Hans Dieter Schmidt hatte Ernst Müller 1973 auf einem Rückflug von einem Orchesterauftritt in Moskau kennengelernt und spontan nach Joinville eingeladen. Das wurde bereits ein Jahr später realisiert. Zum musikalischen Höhepunkt gestaltete sich das Konzert in der Kirche „Christus der Erlöser“. Ernst Müller überzeugte nicht nur mit Chorälen und Musik alter Meister, er zeigte auch Mut zu Kontrasten. Als er dann sehr weltliche Titel anstimmen ließ, zum Beispiel die Samba „Brasil“, so etwas wie die zweite Nationalhymne Brasiliens, kannte die Begeisterung keine Grenzen.
Einen überzeugenden Auftritt lieferten die Symphoniker auch in der von deutschen Einwanderern 1850 gegründeten Stadt Blumenau ab, benannt nach dem Apotheker Hermann Blumenau. Das Theater war sehr gut besucht, obwohl gleichzeitig das jährliche Oktoberfest lief. Diese Veranstaltung hat sich mit 600.000 Besuchern als das nach dem Karneval in Rio zweitgrößte Volksfest in Brasilien etabliert. Ein weiterer Ausflug führte das Orchester nach Sao Bento, eine Stadt mit langer musikalischer und künstlerischer Tradition. Die Langenhagener konnten sich nach Ende des Konzertes über stehende Ovationen freuen.
Besonders am Herzen lag Ernst Müller ein Besuch Curitibas, der über eine Million Einwohner zählende Metropole des Bundesstaates Parana. Hier begrüßte Ekkehart Tamussino, Präsident der AMIG, eine Vereinigung zur Erinnerung an die deutschen Einwanderer - die Langenhagener. Gemeinsam mit dem 13.000 Mitglieder zählenden Club Curitibano hatte die AMIG den Aufenthalt des Orchesters organisiert, der ganz im Zeichen des Tages der Deutschen Einheit stand. Der deutsche Honorarkonsul Andreas Hofrichter hatte die Ausgestaltung des Termins für den Feiertag der Ankunft der Symphoniker angepasst und kurzerhand vom 3. auf den 9. Oktober verschoben. Während der zweistündigen Veranstaltung musizierten die Langenhagener vor 350 geladenen Gästen. Musiziert wurde auch im VW-Werk in Pinhais bei Curitiba, das 3.000 Mitarbeiter in vier Schichten beschäftigt. Produziert wird hier hauptsächlich das Modell Fox. In den kommenden Jahren kommen der Golf 7 und eine Variante des Audi A3 hinzu. Die Langenhagener Symphoniker gaben jeweils ein Konzert für die Früh- und die Normalschicht. Das Repertoire der Symphoniker beinhaltete auf der Tournee neben klassischer Blasmusik auch Potpourris aus Oper, Operette und Musical. Als Solisten fungierten Claus Broecker, Trompete, und Martin Williams, Alt-Saxophon.
Nicht sehr viel Glück hatten die Musiker mit dem letzten Tag ihres Aufenthaltes, den sie in Rio de Janeiro verbrachten. Mit dem Dauerregen, in Rio im Oktober eine absolute Ausnahme, hatte niemand gerechnet. Die Brasilianer dagegen hatten durchaus ihren Spaß an den Niederschlägen.