Risiken und Chancen außerfamiliärer Betreuung

Bürgermeisterkandidaten diskutieren über Betreuungssituation in Kitas

Langenhagen (dl). Auf Einladung des Kita-Stadtelternrats Langenhagen machten die fünf Kandidaten für das Bürgermeisteramt im Rahmen ihrer Wahlkampftour Station im Gemeinschaftszentrum Brinker Park. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Eltern und Erziehern, die mit ihrer Kritik am bestehenden System nicht hinterm Berg hielten, diskutierten sie mit ihnen über Fragen der Betreuungssituation in den Krippen und Kitas in Langenhagen. Im einleitenden Vortrag zu diesem Thema referierte die Leiterin des Winnicott Instituts, Eva Busch, über frühkindliche Bedürfnisse und die Entwicklung der Kinder in den ersten zwei Lebensjahren. Sie lenkte die Aufmerksamkeit auf die Art von Betreuungsformen, die geeignet sind, die Entwicklung der Kinder bestmöglich zu fördern. Dass dabei den Eltern, und hier sind es ja zumeist die Mütter, der größte Teil der Aufgabe zufällt, ist klar. Die grundsätzlichen Anforderungen an eine gute Kinderbetreuung ließen sich relativ einfach definieren, so Busch. „Schon aus Eigennutz sollten wir unsere Kinder so behandeln, dass sie uns später auch gut behandeln, nicht nur wegen der Rente. Wenn wir wollen, dass aus unseren Kindern kreative, selbstbewusste und selbstständig denkende Menschen werden, die auch Verantwortung übernehmen, dann müssen wir ihnen die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die sie brauchen und sie bestärken in ihrem Urvertrauen auf eine Welt, in der sie sich sicher fühlen. Natürlich könnten sie auch ohne aufwachsen, dann allerdings mit den für ein Gesellschaftssystem wie unseres sehr negativen und damit teuren Konsequenzen“. Zur Debatte steht deshalb nicht nur die von allen geforderte dritte Kraft in den Kitas, sondern auch, was ja durchaus wünschenswert wäre, eine Verkleinerung der Gruppen und sogar eine vierte Kraft, dazu kommt das Thema Inklusion. All das braucht Geld, viel Geld. Für Jens Mommsen gebe es zu viele Provisorien, eine zu langsame Umsetzung von Entscheidungen und auch die dritte Kraft sei seiner Ansicht nach finanzierbar durch Einsparungen an anderer Stelle, ohne aber konkret zu werden. Ähnlich sieht es Dirk Musfeldt von den Grünen, der sich für andere finanzielle Prioritäten stark macht. „Wir müssen den Bedürfnissen der Kinder gerechter werden. Darauf ist unsere Gesellschaft angewiesen." Der Bürgermeister verweist auf die nach wie vor bestehenden Probleme der Kommunen, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zu erfüllen, die sie nicht alleine lösen könnten. Da sei finanziell auch das Land gefordert. Beispielsweise bei der schon seit langem geforderten Reform des Kitagesetzes hinsichtlich einer besseren Ausstattung in den Kitas. Zur Zeit fehlten noch rund 200 Kitaplätze in Langenhagen, so Fischer. Dass die für die Kitas benötigten Fachkräfte aus den verschiedensten Gründen nicht vorhanden sind und auch so schnell nicht zur Verfügung stehen werden, macht die Sache nicht einfacher. Der Beruf des Erziehers ist derzeit– auch finanziell - nicht sehr attraktiv. Der Markt ist leer und die Fachhochschulen bilden zu wenig Nachwuchs aus, so lautet die einhellige Meinung. Eine Lösung des Problems sei, so Stefan Dammann, FDP, unter Umständen eine Anerkennung ausländischer Diplome und die Anwerbung von Fachkräften auf dem europäischen Markt.